Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
834
Einzelbild herunterladen
 

834

Gruppe III. Chemische Industrie.

welche zu ihrer Oxydation 732'56 Pfund Sauerstoff oder 43'330Cubik-Tuss Luft erforderten. Man ersieht hieraus, dass das Eisen und Manganals hauptsächlichstes Brennmaterial dienten, denen Kohlenstoff und Si-licium bedeutend an Menge nachstehen. Doch erscheint der Abbranddieser Charge überhaupt unverhältnissmässig gross. Viele Metallurgensind der Ansicht, dass die Hitzeentwickelung im Bessemerofen besondersdem Silicium zuzusehreiben sei und L. Troost und II. Hautefeuille x )fanden die Verbrennungswärme von 1 g amorphen Siliciums in Sauer-stoff zu 7830 Wärmeeinheiten, also für Si = 14, 109 620 und fürSi = 21, 164 430, endlich für Si = 28, 219 240 Calorien. Demnachwürde 1 Aequivalent Silicium (= 28) über doppelt so viel Wärmeentwickeln, als 1 Aequivalent Kohlenstoff (= 12), das zu Kohlensäureverbrennt; hei metallurgischen Processen erfolgt die Verbrennung abermeist nur zu Kohlenoxyd, daher ist der Unterschied noch viel grösser.Wie dem auch sei, so ist doch sicher, dass die Metalle selbst denbeträchtlichsten Theil der Wärme liefern. <

Es wurde schon mehrfach erwähnt, dass das vollständig entkohlteBessemereisen sich im Zustande des verbrannten Schmiedeeisens befinde;das ist nun auch von A. Bender 2 ) analytisch nachgewiesen worden.Metall von einer überblasenen Charge wurde vor dem Zusatz des Spiegel-eisens in eine weissglühende Thonform gegossen und gab ein gross-krystallinisches Gussstück (wie in der ersten Zeit des Bessemerprocesses),das unter der Walze faulhrüchig (rothbrüchig), kalt dagegen zähe war.Dieses Eisen wurde im Wasserstoff-Strome geglüht und dabei Wassererhalten, das 0'345 und 0'370p. C. Sauerstoff entsprach, der als Eisen-oxydul im Eisen aufgelöst zu betrachten ist. Dieser absorbirte Sauer-stoff ist auch die Ursache der nochmals mit Flamme eintretenden Re-action, sobald das Spiegeleisen beigemengt ist.

Beim Giessen des Bessemerstahls entstehen häufig Blasen (honey-comb) in den Gussstücken, die von eingeschlossenen Gasen herrühren.Man hat gefunden, dass dieselben meistens vermieden werden, wennman die Formen rasch über die Hälfte füllt und dann langsam nach-laufen lässt. Whitworth suchte auch eine grössere Dichtigkeit desGusses zu bewirken, indem er den noch nicht völlig erstarrten Gussblockeinem starken hydraulischen Druck aussetzte und er nannte den so er-haltenen gepressten Stahl sogar Whitworth-Metall. Doch fand J. Stum-mer 3 ) beim Pressen solcher Blöcke zu Neuberg, dass die Blasen nichtverschwunden, sondern nur in der Mitte des Blockes zusammenge-drängt waren.

Troost und Hautefeuille, Conrpt. rend. LXX, 252 ; Berg- undHüttenm. Ztg. 1870, 155. 2 ) Bender, Berg- u. Hüttenm. Ztg. 1872, 261;

Wagn. Jaliresber. 1872, 98. 3 ) Stummer, Ztschr. d. Oesterr. Ingen. Yer.

1872, 14.