Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
826
Einzelbild herunterladen
 

826

Gruppe III. Chemische Industrie.

schein Holzkohlenroheisen erzielt. Deshalb wurde der Schwerpunktder Versuche auf Anrathen von Grill, dem Director des schwedischenEisencomptoirs, nach Schweden verlegt, und daselbst auf der Hüttedes Herrn G. F. Göransson zu Edsken, hei Gehe, 1858 fortgesetzt,wobei wirklich Stahl, der brauchbar war, erhalten wurde. Dieses Resul-tat führte dazu, statt wie bisher in dem feststehenden Convertor, indem beweglichen Sturzofen auch in England mit bestem Roheisendie Versuche 1859 wieder fortzusetzen, nachdem R. Mushet zu Cole-ford 1860 die Anwendung von Siegener Spiegeleisen zum Dosirendes geschmolzenen Weicheisens mit Kohlenstoff' empfohlen hatte. Die-selbe Methode wurde dann 1861 von Jackson freres in Bordeauxeingeführt, 1862 von P.Tunner in seinem Berichte über die LondonerAusstellung empfohlen und endlich 1864, nach achtjährigem Ringen inEssen, Hörde, Turrach, Heft, Neuberg und Graz, theils nach dem älterensogenannten schwedischen Verfahren, mit Unterbrechung der Entkoh-lung, theils nach dem englischen, mit Rückkohlung mittelst Spiegeleisens,zur Ausführung gebracht. Inzwischen hatten auch die Versuche inSchweden in Folge von A. Grills Bemühungen, durch Anwendung einereisenreichen Schlacke, Verstärkung und bessere Vertheilung des Win-des u. s. f., günstigeren Fortgang. . Die Blasezeit für eine Charge dauertedabei in Schweden nur 7 bis 10 Minuten, in Sheffield mit schwedischemRoheisen dagegen 25 Minuten. Das erhaltene Product litt aber immernoch an Unregelmässigkeit, und selbst John Brown, der zur Zeit aufseinen Atlas Works zu Sheffield am meisten' mit der Methode operirthatte, erklärte noch in der Jury von 1862 das Bessemermetall fürkohlenstoffreiches geschmolzenes Schmiedeeisen, das häufigUngleichheiten habe, wenig Elasticität besitze, keine brauchbare Här-tung annehme, und für Federn und Schneidewerkzeuge untauglich sei').Das beste Product wurde noch immer aus schwedischem Material er-halten und H. Bessemer erklärte 1862 selbst vor der Jury, dass fürSchneidewerkzeuge passender Stahl aus seinem Metalle nur durchUmschmelzen in Tiegeln hei Zuschlag von Holzkohle undBraunstein erhalten werden könne! 2 )

P. Tunner beschrieb darauf in seinem Berichte über die Ausstel-lung von 1862 den Process, wie er ihn auf der Hütte von John Brownin Ausführung sah. Es wurde graues Hämatitroheisen aus Cumberland(s. Analysen von Bessemerroheisen oben beim Roheisen) im Flamm-ofen umgeschmolzen und 60 Ctr. davon in den umgekippten Convertorabgestochen, der im Boden 49 Oeffnungen von 3 /s Zoll Durchmesser hatteund Gebläsewind von 17 bis 18 Pfd. Pressung auf den Quadratzoll er-hielt. Er war mit einem Futter von thonig-sandiger Beschaffenheit,

!) K armarscli, Zollvereinsländ. Ber. über die Londoner Ausstellung von1802, II, 606 ff. 2 ) Vergl. den Aufsatz über Mangan S. 848.