742
Gruppe III. Chemische Industrie.
erhaltenen Farben sind denen gleich, welche bei directer Anwendungvon Chromoxydsalzen als Beizmittel erhalten werden.
Chroma-venturin. Schliesslich mögen noch einige Worte überden Chromaventurin gestattet sein. Derselbe ist ein dunkelgrün gefärbtesGlas, in welchem hellgrünglänzende Flitter von abgeschiedenem Chrom-oxyd vertheilt sind. Er hat abgesehen von der Färbung die grössteAelmlichkeit mit dem gewöhnlichen venetianischen Aventurin. DieErfindung des Chromaventurins ist nicht ganz neu. A. Wächter 1 ) hatbereits im Jahre 1849 eine Vorschrift gegeben, um eine Porzellanglasurherzustellen, in der sich Flitter von ausgeschiedenem 'Chromoxyd be-finden. J. Pelouze 2 ) beschrieb dann ein Verfahren, um Chromaven-turin in compacten Glasmassen zu erhalten. Man soll zu dem gewöhn-lichen Glassatze für weisses Glas eine ganz bestimmte Menge vonKaliumbichromat hinzufügen. Nach seinen Untersuchungen sind 40 Thle.Bichromat auf einen Glassatz von
250 Thln. Sand,
100 „ Natriumcarbonat von 90 p. C.,
50 „ Calciumcarbonat
die geeignetste Menge. Bei Anwendung von weniger Bichromat erhältman entweder keine oder nur eine sehr geringe Ausscheidung vonChromoxydkrystallen; bei Zusatz einer grösseren Menge von Bichromatist das Glas mit einer verworrenen Masse von Füttern erfüllt und ver-liert an Glanz und Schönheit.
Aus den Untersuchungen von Pelouze lässt sich folgern, dassder Chromaventurin sich nur dann bildet, wenn das Chromoxyd ineinem solchen Ueberschusse vorhanden ist, dass die Kieselsäure zurBindung desselben nicht hinreicht. Es scheidet sich dann der Ueber-schuss im krystallinischen Zustande aus.
Bereits auf der Weltausstellung in Paris waren schöne Proben von inden Glaswerken von St. Gobain erzeugtem Chromaventurin ausgestellt.Man nimmt dort einen Glassatz nach dem von Pelouze angegebenenVei’hältnisse. Die Mischung wird in die gewöhnlichen Schmelztiegelgebracht und darin geschmolzen. A^enn die Masse flüssig ist, rührtman sie um, weil ein Theil des Chnomsalzes oben auf der Flüssigkeitschwimmt. Alsdann giesst man nach Vollendung der Keaction daserhaltene Glas auf eine Metallplatte. Das Glas ist mit grünen Füt-tern angefüllt, aber sehr brüchig. Man sondert die besten Stücke abund unterwil’ft sie einem verlängerten Schmelzprocesse; schliesslicherhält man eine Masse, welche wie gewöhnliches Glas behandelt wer-den kann. Da sich jedoch die grünen Blättchen in grösserer Menge
] ) A. Wächter, Ann. Chem. Pharm. LXX, 57. 2 ) Pelouze, Compt.
1 -end. LXI, 613. Mon. scient. 1865, 994, 1057. Wagn. Jahresber. 1865, 421.