Ueber Zusammensetzung und Darstellung des Glases. '721
Brennmaterial dienen meist Torf und Braunkohle, selten Holz oderSteinkohle. Uebelstände die sich hier und da zeigten, waren stetsunschwer zu beseitigen. Benrath *) berichtet über lästige Ansamm-lungen von Theer in den Gascanälen, sowie über eine Unvollkommenheitder Aufgebevorrichtung. Beide Uebelstände waren durch locale Verhält-nisse hervorgerufen; dadurch nämlich, dass man nur mit Fichtenholzheizen konnte. Benrath zeigt, auf welche Weise man derartige Schwie-rigkeiten leicht überwinden kann. Die Erfolge seines Ofens veranlasstenSiemens noch einen Schritt weiter zu gehen und die verschiedenenPerioden des Glasbildungsprocesses in ein und demselben Raum ununter-brochen vor sich gehen zu lassen. Er construirte zu diesem Zweckeeinen Hafen * 2 ), welcher durch zwei Scheidewände in drei Abtheilungengetheilt war, von denen die eine zum Einschmelzen, die andere zumLäutern und die dritte als Arbeitsraum diente. Da die Glasmasse indemMaasse ein grösseres Volumgewicht annimmt, als der Schmelzprocesssich seiner Vollendung nähert, so sammelt sich in dem ersten Raume diebestgeschmolzene Masse am Boden an und kann von hier durch einenverticalen Canal in die obere Abtheilung der zweiten Kammer gelangen,in welcher dieselbe unter dem Einfluss der directen Ofenhitze geläutertwird. Das vollständig geläuterte Glas sinkt zu Boden und tritt hierdurch einen horizontale^ Caual in die dritte kühlere Abtheilung, inden Arbeitsraum, welcher oben durch einen Helm verdeckt und gegendie Flamme geschützt ist. Die ausgezeichneten Resultate, welche Sie-mens mit diesem Hafen erzielte, führten ihn zur Construction einesneuen Ofens, des sogenannten eontinuirlich wirkenden Wannenofens,bei welchem das Auswechseln der Hafen vollständig vermieden wird.Die Einrichtung dieses Ofens ist in den unten citirten Abhandlungen 3 )ausführlich beschrieben worden. Friehling hat den Wannenöfenpraktisch erprobt und bestätigt die gerühmten Vorzüge desselben inBezug auf Gleiehmässigkeit der Temperatur, Dauerhaftigkeit und Pro-ductionsfähigkeit.
Von anderen Ofensystemen, welche neben dem System Siemensin Vorschlag gebracht wurden, sind noch zu erwähnen: Der Glasofenmit Gasfeuerung für Krystallglas mit offenen Häfen von Prunier, Mig-not & Guitta 4 ) und der Etagenofen von Devillez 5 ), in welchem dieHäfen etagenförmig übereinander angeordnet sind. Die Glasmassewird aus den obersten Schmelzhäfen in die darunter befindlichenLäuterhäfen und aus diesen in die unteren Arbeitshäfen abgelassen.
4 ) Benrath, Polyt. Centralbl. 1870, 465. Wagn. Jaliresber. 1870, 285.
2 ) Ferd. Steinmann, Polyt. Centralbl. 1870, 1113. Wagn. Jaliresber.
1870, 281. 3 ) Ferd. Steinmann, a. a. 0. Wedding, Dingl. pol. J.
CCIV, 190. Wagn. Jahvesber. 1872, 389. Friehling, Dingl. pol. J.- CC1II,14. Wagn. Jaliresber. 1872, 390. 4 ) Prunier, Mignot u. Guitta,
Bullet, soc. d’encourag. 1865, Juillet, 388. Wagn. Jaliresber. 1865, 431.s ) Devillez, Ber. cliem. Ges. 1873, 1271. Wagn. Jaliresber. 1873, 463.
Wiener Weltausstellung. III. 46