Ueber die Entwickelung der Ultramarinfabrikation. 685
Als einer besonderen Neubeit aus der Reihe der Ultramarinver-bindungen ist hier zunächst noch des violetten Ultramarins zugedenken, welches von der Nürnberger Ultramarinfabrik alsneueste Erfindung auf dem Gebiet der Ultramarinfarben in Wien aus-gestellt worden ist. An Reinheit und Lebhaftigkeit der Farbe bleibtdas ausgestellte Präparat zwar weit hinter den blauen Ultramarinsortenzurück, es würde aber voreilig sein, hieraus auf die Bedeutungslosigkeitdesselben für technische Verwendungen schliessen zu wollen. Bis jetztist nur wenig über die wahre Natur dieser neuen Farbe bekannt, welchefür die Theorie der Ultramarinverbindungen jedenfalls von hohem In-teresse ist. Nach erhaltenen mündlichen Mittheilungen an den Verfasserdieses Berichtes entsteht das violette aus fertigem blauen Ultramarindurch Einwirkung chemischer Agentien, welche demselben bei erhöhterTemperatur Natrium zu entziehen und gleichwerthige chemische Radicalean dessen Stelle einzuführen im Stande sind. In diesem Sinne wurdedas ausgestellte Präparat als „hydroxylirtes Ultramarin“ bezeichnetund angegeben, dass auch andere, selbst organische Radicale durch ganzglatte Reactionen an die Stelle von Natrium in das blaue Ultramarineingeführt worden seien und dass dadurch violette Verbindungen vonverschiedener Nüance und von grösserem Feuer erhalten werden könnten.Eine kleine Probe des ausgestellten Präparates wurde dem Verfasserdieses Berichtes mit der Befugniss, dasselbe analysiren zu dürfen, mit-getheilt. Die Resultate der quantitativen Analyse sind oben mitgetheilt;im qualitativen Verhalten zeigt das violette sehr grosse Aehnlichkeitmit kieselreichem blauen Ultramarin, dem anch die quantitative Zu-sammensetzung sehr nahe steht.
In neuester Zeit erhielt der Verfasser dieses Berichtes von seinemFreunde W. Büchner, Ultramarinfabrikant in Pfungstadt, eine grosse,zu einer eingehenden Untersuchung mehr als ausreichende Menge einesnicht minder interessanten Productes, welches von Büchner „rothesUltramarin“ genannt wird. Dasselbe ist dem Ansehen nach vondem Nürnberger Violett sehr verschieden, intensiv roth, aber wenigerfeurig als dieses gefärbt. Nach mündlicher Mittheilung von Büchner,welcher schon seit längeren Jahren Gelegenheit hatte, das Auftretendesselben zu beobachten, entsteht dieses rothe Ultramarin bei demMuffelbrand des kieselreichen blauen Ultramarins, wenn die Glühoperationvorzeitig unterbrochen wird. Auf ähnliche Art soll auch ein kiesel-reiches „gelbes Ultramarin“ erhalten werden können. Die ersten,jedoch nicht vollständigen, Analysen dieser Verbindungen finden sichin der oben citirten vorläufigen Mittheilung von G. Scheffer, welchereine Fortsetzung in Aussicht stellt. Auch der Verfasser dieses Berichtesist zurZeit noch mit der weiteren Untersuchung des rothen Ultramarinsbeschäftigt und konnte deshalb oben einstweilen nui>eine von seinemMitarbeiter Grünzweig ausgeführte vollständige Analyse desselben