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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Aluminium und Aluminiumverbindungeii.

Analog der Verwandtschaft der Thonerde zur vegetabilischen Faserfindet auch Affinität zwischen den Thonerdeverbindungen und der thie-rischen Faser statt, und hierauf beruht eine der wichtigsten Anwendungendes Alauns, die zur Alaun - oder Weissgerberei. DieAlaunbrühebesteht aus einem Gemisch von Alaun- und Kochsalzlösung. Früherherrschte die Ansicht, dass das dabei entstehende Aluminiumchloridoder Aluminiumoxychlorid sich mit der thierischen Haut verbinde. Diesehr gründlichen Arbeiten von Fr. Knapp 1 ) belehren uns indessen,dass der Kochsalzzusatz nicht den Zweck der Zersetzung des Thon-erdesalzes hat. Diese werden unzersetzt von der Hautfaser aufgenom-men, und zwar von Alaun 8'5 p. C., von Aluminiumsulfat 27'9, vonChloraluminium 27'3, von Aluminiumacetat 23'3 p. C. Ein Gemischvon 1 Mol. Kalialaun und 3 Mol. Kochsalz setzt sich überhaupt nichtwechselseitig um., Die Rolle des Kochsalzes besteht vielmehr darin,die Wirkung des Alauns auf endosmotischem Wege zu befördern. BeimEinträgen der Haut ist diese dvfrch und durch mit Wasser getränkt;dieses Wasser muss von der Alaunlösung verdrängt und die letzterenach Abgabe ihres Alauns so lange durch frische ersetzt werden, alsdie Haut noch Alaun aufnimmt. Der dialytische Austausch des Wassersgegen die umgebende Gerbflüssigkeit geht nun am besten bei Gegen-wart von Kochsalz vor sich; das Kochsalz ist das endosmotische Vehikel,welches den Alaun zu den Fasern des Hautgewebes hinüberführt, bisdieses damit gesättigt ist. Die Alaungerbung ist nicht der letzte Zweckdes Gerbens, sondern die Vorbereitung zur Aufnahme der übrigen gar-machenden Mittel. Diese sind im Wesentlichen Fett und die Verbin-dungen von Eiweissstoffen mit Thonerde. So ist die vollständig er-folgreiche Wirkung zu erklären, welche mit der sogenanntenNah-rung in der Gerberei erzielt wird, deren Bestandtheile, seit langerZeit rein empirisch festgestellt, Alaun, Kochsalz, Eigelb und Mehl sind.

In Chile wird eine Mineralsubstanz häufig zum Gerben benutzt,die sogenannte Polcura, welche bei San Jago in Chile gefunden wird.Sie bildet ein schmutzig gelbes, lockeres, krystallinisches, säuerlichzusammenziehend schmeckendes Pulver. Nach einer Untersuchung desHrn. C. Schaper 2 ) besteht sie aus 13 - 6 p.C. Wasser, 24'2 in Wasserlöslichen und 62'2 in Wasser unlöslichen Theilen; letztere enthaltenausser Kieselerde Eisenoxyd, Thonerde, Schwefelsäure und Magnesia.Der in Wasser lösliche Antheil enthält neben den Sulfaten von Kali,Natron, Kalk, Magnesia 9'7 p. C. schwefelsaure Thonerde.

Nach Knapp wird Leder auch vortheilhaft mit Hilfe einer un-löslichen Thon erdeseife bereitet. Am besten wird zu dem Zweckeeine Seifenlösung mit Alaunlösung ausgefällt und in der entstandenen

*) Fr. Knapp, Dingl. pol. J. CLXXXI, 311; Wagn. Jahresb. 1866, 616,

2 ) C. Scliaper, Dingl. pol. J. CXOII, 79; Wagn. Jahresber. 1869, 297.