Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
628
Einzelbild herunterladen
 

C>28 Gruppe III. Chemische Industrie.

Kali substituirt wird; so auch in Deutschland, wo his vor wenigenJahren ein hoher Zoll auf den Ammoniaksalzen fremden Ursprungs dieAnwendung derselben ziemlich erschwerte. Der Bonner Bergwerks-und Hüttenverein unter Direction des Ilrn. Herrn. Bleibtreu, derim Jahre 1851 ausschliesslich Kalialaun fahricirte, stellt bei einer jähr-lichen Production von 1500 Tonnen Alaun jetzt nur 250 his 300 TonnenKalialaun dar. Die Darstellung des Ammoniakalauns ist so allgemeingeworden, dass es oft in der That schwer ist, sich für die Bedürfnissedes Laboratoriums Kalialaun zu verschaffen, und sehr oft enthält dieserbeträchtliche Mengen Ammoniakalaun. Man sieht aus diesem Ver-drängtwerden des Kalialauns durch den Ammoniakalaun recht deutlich,dass es weder das Kaliumsulfat noch das Ammoniumsulfat ist, welchedem Alaun seinen industriellen Werth verleihen. Dies geschieht viel-mehr durch das Aluminiumsulfat; das Alkalisulfat dient nur dazu, einenwohl definirten Körper zu erzeugen, der durch seine bedeutende Kry-stallisationsfiähigkeit leicht von Verunreinigungen frei erhalten werdenkann, zumal von Eisensalzen, welche für manche Anwendungen, wiefür die Färberei, sehr schädlich sein würden.

In Bezug auf die Alaungewinnung aus den Sch wefelkies führendenSchiefern und Thonen der Stein- und Braunkohlenformation liegt eineausführliche Arbeit des Hrn. Seger !) vor, mit deren Hilfe wir einBild der heutigen Methode der Verarbeitung dieser Materialien zu gebenversuchen wollen.

Die Materialien, welche zur Darstellung von Alaun und Eisen-vitriol verwendet werden, lassen sich in zwei Gruppen theilen, je nach-dem sie nach der Oxydation als Hauptproduct Vitriol oder Alaun geben.Zur ersten Gruppe gehören die compacteren Erze mit geringem Thon-erdegehalt, die besonders aus Schwefelkies, Magnetkies und verwandtenMineralien bestehen. Die zweite Gruppe wird von den eigentlichenAlaunerzen der Stein- und Braunkohlenformation gebildet, welche,schiefrig oder erdig, meist mit Kohle oder Bitumen imprägnirt sindund das Schwefeleisen theils in Nieren und Adern, zumeist aber feineingesprengt enthalten. Die grosse Angriffsfläche, welche der Luftdurch die physikalischen Eigenschaften dieser Materialien geboten wird,ermöglicht eine starke Oxydation schon hei niedriger Temperatur. Diecompacten Erzmassen oxydiren sich nur schwierig; sie bedürfen einerAbtreibung von Schwefel in gediegener Form oder einer partiellen Rö-stung, und nur nach mehrjähriger Einwirkung der Luft auf die Abhrändeliefern dieselben Massen, aus welchen durch Wasser hauptsächlich Eisen-vitriol und nur wenig Aluminiumsulfat auszuziehen ist.

0 A. H. Seger, Die technische Verwerthung schwefelkiesführender Schieferund Thone der Stein- undBraunkohlenformation. Kritik des heutigen Standesder Alaun- und Vitriolgewinnung und Mittel zu deren Hebung. Neuwied undLeipzig 1809. Iuaug.-Dissert. Im Auszug: Wagner’s Jahresber. 1869, 281.