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Gruppe III. Chemische Industrie.
Kalksalz verträgt nicht die zum Verbrennen des Empyreuma nöthigeTemperatur, ohne sich zum Theil zu zersetzen. Das Natronsalz ver-trägt zwar ohne Zersetzung eine höhere Temperatur, aber es schmilztin der Hitze und erschwert dadurch ungemein die Zerstörung des Em-pyreumas. Auch setzt sich das durch Zersetzung der Brenzstoffe ent-standene kohlensaure Natron immer mit den empyreumatischen Säurenum, und diese Salze bedürfen zu ihrer Zerstörung einer so hohenTemperatur, dass eine theilweise Zersetzung von essigsaurem Natronnicht zu vermeiden ist. Alle diese Uebelstände werden vermiedenwenn, wie Hr. C. F. Richter in Berlin 1 ) vorgeschlagen hat, die Essig-säure an Baryt gebunden wird. Der Baryt ist eine so starke Base,dass das essigsaure Salz die Rösttemperatur gut verträgt. Ausserdemschmilzt das Bariumacetat nicht. Zur Darstellung desselben wird feingemahlener. Witherit so lange in Holzessig eingetragen, als noch Auf-brausen stattfindet. Schliesslich wird mit Aetznatron neutralisirt. Mandampft zur Krystallisation ein, lässt die Krystalle abtropfen und röstetsie in grossen gusseisernen Pfannen bei einer unter Rothgiuth liegendenTemperatur. Sie werden in 2 Zoll hoher Schicht unter beständigemUmrühren so lange erhitzt, als noch brenzliche Dämpfe entweichen.Um beim Schluss des Röstens ein zu grosses Verstäuben des trockenenSalzes zu verhüten, ist es zweckmässig, den Krystallen etwa 2 p. 0.essigsaures Natron hinzuzufügen, indem dies Salz schmilzt und denessigsauren Baryt etwas feucht erhält. Dasselbe erreicht man, wennman den Holzessig schliesslich statt mit Aetzbaryt mit Soda neutralisirt.Die geröstete Masse wird mit Wasser ausgelaugt; beim Eindampfenerhält man reines Bariumacetat, aus dem sich sowohl reine Essigsäureals andere essigsaure Salze leicht darstellen lassen.
Eine wichtige Anwendung findet der Baryt in der Zucke rindustri e.Die Läuterung des Rübensaftes mit Kalkmilch beruht darauf, dass dieden Zucker begleitenden fremden Stoffe, Säuren und besonders dieschädlichen stickstoffhaltigen Substanzen, in unlöslicher Form abge-schieden werden. Das Umgekehrte ist bei der Läuterung mit Barytder Fall. Der Rohrzucker geht nämlich mit Baryt eine selbst beiSiedhitze in Wasser unlösliche Verbindung, Bariumsaccharat, CuIL^On,BaO, ein. Man kann so allen Zucker aus der Melasse ausfällen, denZuckerbaryt« dann in Wasser suspendiren und durch Einleiten einesKohlensäurestroms zersetzen. Der von der reinen Zuckerlösung ge-trennte kohlensaure Baryt wird wieder auf Aetzbaryt verarbeitet. Einderartiges Verfahren ist schon .vor etwa 15 Jahren für die Herren Du-brunfaut und de Massy patontirt worden. Im letzten Jahrzehnt hatman sich lebhaft mit dieser Methode beschäftigt. Nach Hrn. G-. Lunge 2 )
!) Richter, Dingl. pol. J. CLXXXII, 174. 2 ) Lunge, Dingl. pol. J.
CCII, 164.