Ueber die Condensation der sauren Dämpfe der Sodafabriken. 507
Geld noch durch Erfindungsgabe überwunden worden; dieselbe liegt inder Natur des für die Construction der Condensationsapparate erforder-lichen Baumaterials. Sandsteine halten längere Zeit ziemlich gut undebenso, obwohl weniger lange, Backsteine. Die Verbindungsstellenmüssen jedoch in beiden Fällen sorgfältig beobachtet werden, da sieleicht Undichtigkeiten zeigen. Aber auch die Steine sättigen sichnachgerade mit Salzsäure und zerbröckeln. Thonröhren etc. sind indieser Beziehung noch schwieriger zu handhaben, wie denn überhauptdiese Seite der Fabrikation noch manche dunkle Punkte bietet. DieSalzsäure dringt an manchen Stellen durch die Röhrenwand und giebtVeranlassung zur Bildung weisser Dämpfe, welche eine schädliche Wir-kung vermuthen lassen, selbst da, wo sie in zu geringer' Menge vor-handen sind, um diese wirklich auszuüben. Zeigen sich solche leckeStellen, so werden die Thürme und Röhren gewöhnlich äusserlich mitTheer angestrichen. Gegen die Doppelthürme, welche jedenfalls länge-ren Widerstand leisten, kommt nur der grössere Kostenaufwand inBetracht. Der äussere Thurm könnte indessen aus sehr leichtem Mate-rial gebaut und von ganz einfacher Construction sein. Auch würdeein Doppelröhrensystem manche V ortheile bieten und dürften bei solcherAnlage die grösseren Kosten kaum schwer ins Gewicht fällen. Indessenwürde man bei der Ausführung von Reparaturen nur schwierig zu deminneren Rohr^j, gelangen können. Man hat, um dieser Schwierigkeitzu begegnen, viereckige Holzverschalungen angewendet; vielleicht würdeauch eine viereckige Backsteinhülle oder ein System in einander schieb-barer Röhren gewisse Vortheile darbieten, welche letztere durch Fort-nehmen der oberen Rohrstücke einen Einblick in das Innere gestattenmüssten. Jedenfalls sind die Apparate zur Condensation der Salzsäurenoch vieler Verbesserungen fähig.
Man hat daran gedacht, die Gase mit Hilfe eines Dampfstromesdurch Wasser zu ziehen oder zu pressen, um auf diese Weise die Thürmezu umgehen; dieser Plan ist jedoch bis jetzt nicht zur Reife gelangt.
Die sofortige Umwandlung der erzeugten Salzsäure in freies Chlorist ein sehr .bedeutender Vortheil, welchen der D eacon’che Chlorprocessgewährt und es erscheint nicht unmöglich, dass man eine ähnlichschnelle Umsetzung bei der Darstellung des Chlors nach anderen Me-thoden wird erreichen können.
Die Einführung des Ammoniak-Sodaprocesses wird die Menge derentwickelten Salzsäure vermindern; immerhin wird man Salzsäure nachwie vor zur Chlordarstellung fabriciren müssen, so lange es nicht ge-lungen sein wird, das Chlor direct aus dem Kochsalz zu bereiten. Diesedirecte Darstellung ist auch bereits mehrfach versucht, aber bis jetztnicht erfolgreich durchgeführt worden. Wie bekannt hat man sichneuerdings wieder sehr bemüht, die bei dem Ammoniakprocess abfallen-den Chloride für die Chlorbereitung zu verwerthen.