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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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' Gruppe III. Chemische Industrie.

In unseren grossen Städten haben wir längst die unliebsame Er-fahrung gemacht, dass der Einfluss einer verunreinigten Atmosphäre aufdas Wachsthum der Bäume sich schon lange erkennen lässt, ehe noch eineVerringerung des durchschnittlichen Lebensalters der in dieser Atmo-sphäre lebenden Bevölkerung wahrnehmbar geworden ist. So findetman z. B. in London, einer Stadt, deren Bevölkerung im Verhältnisszu derjenigen kleinerer Städte eine im Ganzen hemerkenswerth ge-sunde ist, in welcher besonders die besser gestellten Classen der Ge-sellschaft im Vergleich mit den Bewohnern von Landstädten und Dör-fern einen auffallend guten Gesundheitszustand zeigen, dass eine grosseAnzahl von Bäumen anfängt mehr und mehr unter den Bedingungen,welche von der fortschreitenden Civilisation unzertrennlich sind, dahin-zuwelken. Hi.er ist es der Steinkohlenrauch, welcher nach allen Beob-achtungen einen ganz besonders schädlichen Einfluss auf die Vegetationausübt. Nun ist dieser Steinkohlenrauch in London, zumal im Westender Stadt doch nur in äusserst geringer Menge vorhanden, so dassnamentlich die Umwohner der Squares und freieren Plätze nicht imEntferntesten davon belästigt werden. Wenn nun gleichwohl an einemsolchen Orte die Bäume leiden, so kann es nicht auffallen, dass diePflanzen, welche dem Qualm massenhaft verbrannter Steinkohle aus-gesetzt sind, wie ihn Coke- und Eisenwerke und andere Fabriken ent-wickeln , in kurzer Zeit ihr frisches Grün verlieren und schliesslichvöllig absterben. Keiner, der gewerhthätige Districte Englands besuchthat, kann sich der Ansicht verschliessen, dass die bezeichneten Uebel-stände sich an vielen Orten in empfindlicher Weise geltend machen,und dass man darauf vorbereitet sein muss, denselben in noch erhöhetemMaasse zu begegnen, wenn sich die Zahl der Fabriken in einem ge-gebenen District noch weiter vermehrt.

Aber hiermit sind die Belästigungen, welche der Bevölkerung einerindustriereichen Gegend auferlegt' sind, keineswegs erschöpft. Nebendem Qualm der Steinkohlen, welche mit seltenen, wenn überhaupt einerAusnahme stets erhebliche Mengen Schwefel enthalten, macht sich vorAllem der nachtheilige Einfluss saurer Dämpfe bemerklich, welche einerganz anderen Quelle entstammen, nämlich der Einwirkung der Schwe-felsäure auf das Kochsalz behufs seiner Umwandlung in Glaubersalzund schliesslich in Natriumcarbonat. Diese Dämpfe diffundiren wenigerleicht als die aus dem Schwefel entsandene schweflige Säure in diehöheren Luftschichten, sondern haben im Gegentheil eine Neigung,sich zu Boden zu senken und in feuchter Luft saure Lösungenzu bilden. Wir haben im Vorstehenden einige der Bedingungen an-gedeutet, durch deren Zusammenwirken die Atmosphäre ganzer Län-derstrecken in einen Zustand versetzt werden kann, welcher sich mitder Atmosphäre eines schlecht ventilirten Laboratoriums vergleichenlässt.