488
Gruppe III. Chemische Industrie.
Was die ökonomische Seite der in Bezug auf die Sodarückständezu lösenden Aufgabe anbelangt, so verdient zunächst bemerkt zu wer-den, dass die stets gebildeten bedeutenden Mengen von Calciumchlorideinen wesentlichen Verlust an Salzsäure repräsentiren; alle Versuche,die letztere aus dem Calciumchlorid mit Vortheil wieder darzustellen,sind bis jetzt gescheitert.
Der in der Form von Gyps in die Rückstände von der Schwefel-regeneration übergegangene Schwefel bedingt einen weiteren und nochfühlbareren Verlust, und es ist kaum Aussicht vorhanden, denselbenzu paralisiren, da alle Bestrebungen 1 ), z.B. von Schenks, v.Secken-dorf, 0. Kohsels, 0. Siemens etc., den Schwefel selbst des reinenGypses bei der Schwefelsäurefabrikation wieder zu verwerthen, bislangohne den geringsten Erfolg geblieben sind.
Man hat versucht und, wie es scheint, mit einigem Erfolg, dieRückstände von der Schwefelregeneration zur Fabrikation von Cementzu benutzen. Man unterwirft sie zu diesem Zwecke einem einfachenBrennprocesse. Proben eines auf diese Weise dargestellten Productessind von Herrn Mond, wie derselbe dem Verfasser brieflich mittheilt,in Wien ausgestellt worden. Dasselbe ist seiner Zusammensetzungund seinen Eigenschaften nach dem sogenannten Scott’s Cementsehr ähnlich, welcher von dem englischen General Scott zuerst durchEinwirkung von Schwefeldämpfen auf Kalk erhalten wurde und wel-cher, wie F. Schott 2 ) gezeigt hat, auch durch Glühen eines Ge-menges von Kalk und Gyps dargestellt werden kann.
Der aus den obigen Rückständen fabricirte Cement zeigt meisteine starke Auswitterung von Natriumsulfat, ein Umstand, welcherjedoch seine Anwendung zu Fundamenten etc. nicht verhindern kann.
Die mehr oder weniger vortheilhafte Anwendung des einen oderanderen Regenerationsverfahrens hängt wesentlich von der Natur derin Frage kommenden Sodarückstände und von der grösseren oder ge-ringeren Kostbarkeit der Arbeitskräfte und des natürlichen Schwefelsoder der Pyrite ab.
Schlammige Rückstände lassen sich, z. B. wie der Berichterstattervon den verschiedensten Seiten gehört hat, nicht sofort mit Vorth eilnach dem Mond’sehen Verfahren oxydiren, es bilden sich dabei freieCanäle, die Oxydation bleibt eine unvollkommene, die Oxydation inHaufen ist in diesem Falle vorzuziehen.
Das P. W. Hofmann’sehe Verfahren erscheint im ersten Augen-blicke sehr complicirt, so dass map glaubt, einen Laboratoriumsprocessund nichteinen Process der grossen Technik vor sich zu haben. Alleinder Berichterstatter erfährt aus guter Quelle, dass die Ergebnisse des-
J ) Wagn. Jaln-esber. 1863, 208. 2 ) F. Schott, Dingl. pol. J. CCII,
52 u. 355,