Die Verwerthung der Sodariickstäude etc. 481
Einwirkung der Luft preisgab. Mond bat sich diese Erfindung1861 in Frankreich patentiren lassen. Als er später versuchte, diesPatent in England zu verwerthen, stiess er auf die grössten Schwierig-keiten, da die englischen Verhältnisse einen Aufwand an Zeit, Raumund Arbeitskraft, wie sie das Verfahren erfordert, nicht gestatten; erfand aber, dass die englischen Sodarückstände weit lockerer waren alsdie, mit denen er bisher gearbeitet hatte, und kam daher auf frühereVersuche zurück, die Rückstände künstlich mittelst bewegter Luft zuoxydiren. Auf diese Weise gelangte er zu folgendem Verfahren fürdie Wiedergewinnung des Schwefels.
Die Sodarückstände bleiben in den Auslaugekästen, deren Zahlverdreifacht wird. Der zwischen den beiden Böden befindliche Raumsteht durch ein Rohr mit einem Ventilator *) in Verbindung, dessenArbeit durch ein in dem Rohre befindliches Register regulirt werdenkann.
Sobald die letzte Sodalauge abgezogen worden ist, bläst manLuft ein; eine Pressung der letzteren von mehr als 15 bis 16 cmWasser ist hierbei niemals nothwendig, eine Pressung von D /2 cmWasser genügt in den meisten Fällen. Die Rückstände erhitzen sichbei der so beschleunigten Oxydation bedeutend (bis auf 94° C.), sieentwickeln Wasserdämpfe, und an der Oberfläche derselben erscheinenweisse glänzende Flecken. An der Menge der entwickelten Wasser-dämpfe, der Anzahl der Flecken und der Temperatur der Rückständeerkennt man, wann der erforderliche Oxydationsgrad eingetreten ist.Die Rückstände werden dann mit Wasser zugedeckt und einer metho-dischen Auslaugung unterworfen. Die Oxydation wird mehrere Male(drei- bis sechsmal) wiederholt, die Anzahl der erforderlichen Oxyda-tionen, sowie die Dauer einer jeden einzelnen richten sich nach dermehr oder minder porösen Beschaffenheit der Rückstände.
Die bei den verschiedenen Auslaugungen gewonnenen Flüssig-keiten werden in einem Bassin gesammelt und von dort in den Schwefel-fällapparat übergeführt. Das Ausfällen des Schwefels geschieht mittelstSalzsäure in einem hölzernen, mit Deckel verschlossenen Gefässe, inwelchem sich eine Rührvorrichtung befindet und welches mit einemAbzugsrohr für entwickelte Gase, sowie mit einem Rohre zum Ein-lassen von Wasserdampf versehen ist. Man lässt abwechselnd Salz-säure und Schwefellauge eintreten. Die Zersetzung erfolgt ohne jedeEntwickelung von Schwefelwasserstoff oder von schwefliger Säure, wennman hierbei gewisse durch die Praxis in jedem einzelnen Falle zubestimmende Verhältnisse festhält. Nach Mond ist dies der Fall,
*) Man wendet, wie dem Verfasser mitgetheilt wird, für diesen Zweckmit Vortheil einen von Herrn Schiele construirten, geräuschlos arbeitendenVentilator an.
Wiener Weltausstellung. III.
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