Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
466
Einzelbild herunterladen
 

466

Gruppe III. Chemische Industrie.

6. Aus Schwefelnatrium und Thonerde. E. Wagner 1 )schlägt vor, Schwefelnatriumlösung mit überschüssiger Thonerde (ausBauxit oder Kryolith) zu kochen, wodurch Natriumaluminat entsteht,welches man durch Kohlensäure zersetzt.'

III. Soda aus anderen natriumhaltigenMaterialien.

1. Aus Natriumnitrat. Zu den früheren Vorschlägen 2 ) überdie Verwendung dieses Körpers zur Sodagewinnung sind wenig neuehinzugekommen. R. Wagner 3 ) macht darauf aufmerksam, dass derNatronsalpeter durch Erhitzen mit Thonerdehydrat zersetzt werdenkann, wobei rothe Salpetersäure überdestillirt, während Natriumaluminatzurückbleibt. J. Walz 4 * ) schlägt vor, den Salpeter mit Calcium-carbonat unter Zuführung von Dumpf in Retorten zu erhitzen. Har-greaves s ) gewinnt Soda aus den bei seiner Methode der Umwandlungvon Roheisen zu Stahl oder Stabeisen mittelst Natronsalpeter abfallen-den Schlacken. E. Pollacci ß ) stellt Aetznatron dar, indem erNatriumnitrat mit 2 bis 3 Thln. Eisendraht (statt Kupfer. Wohl er)in einem eisernen Tiegel zum Rothglühen erhitzt und nachher mit Was-ser auslaugt: 6 Na N 0 3 + 10 Fe = 3 Na 2 0 -f 5 Fe 2 0 3 -)- 6 N.Endlich wird bei der Umwandlung des Natronsalpeters in Kalisalpeterdurch Behandeln des ersteren mit Potasche oder Aetzkali als Neben-product Soda erhalten (siehe Kalisalpeter).

2. Aus Kryolith. Die Gewinnung von Soda als Nebenproducthei der Kryolith- und Bauxitverarbeitung gehört in den diese letzterenbetreffenden Artikel.

3. Natürliche Soda. Ueber das Vorkommen und die Verarbei-tung natürlicher Soda sind seit dem Jahre 1862 nur wenige Mitthei-lungen erschienen. Von ungarischer Soda, deren Production in denletzten Jahren sehr unbedeutend war (sie soll 1868 nur noch 3500Ctr. Rohwaare betragen haben), hat J. Schapringer 7 ) zwei Probenuntresucht, welche aus der Gegend von Kalocsa an der Donau stanjmen.Dieselben enthielten nur 29 p. C. Na 2 C 0 3 in der rohen und 40 p. C.in der calcinirten Waare, der Hauptbestandtheil war Kochsalz. Grös-sere Wichtigkeit hat die aus den unterägyptischen Natronseen gewonnenenatürliche Soda erhalten, von welcher aus dem Hafen von Alexandria

J ) Wagn. Jahresber. 1865, 332. 2 ) Wagner, Regest, d. Sodafabr. 54;

A. W. Hofmann, Reports by tlie Juries 1862, 29. 3 ) Wagn. Jaliresber.

1865, 250. 4 ) Walz, Wagn. Jahresber. 1869, 182. 6 ) Hargreaves,

Ding], pol. J. CLXXXVIII, 192. °) Pollacci, Wagn. Jahresber. 1873, 261.

7 ) Schapringer, Dingl. pol. J. CLXXXIX, 495; Wagn. Jahresber. 1868, 202..