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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Stassfiu'tei' Kaliindustrie.

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immerhin werthvolles Nebenproduct, die Salzsäure, liefert, sondern auchdie mit Umkrystallisiren, Verdampfen etc. nothwendig verbundenenSnbstanzverluste erspart werden, so liegt es auf der Hand, dass dieDarstellung von schwefelsaurem Kalium auf dem Wege der Doppel-zersetzung mindestens so lange kaufmännisch undurchführbar sein wird,bis der Kainit zu einem Preise von den Gruben abgegeben wird, derdem des Carnallit gleich ist. Dagegen wird in Kalusz, wo das Kainit-vorkommen ein sehr mächtiges und reiches und die Verwendung desMaterials für landwirtschaftliche Zwecke eine unbedeutende ist, dieDarstellung von schwefelsaurem Kalium mit Erfolg durchführbar sein.

Der Verbrauch des schwefelsauren Kaliums in der Technik wirdaber in demselben Maasse steigen wie seine Fabrikation und wäreschon jetzt ein höherer, wenn nicht die günstigen Sodaconjuncturender letzten Jahre die Sodafabriken abgehalten hätten, sich neuenFabrikationszweigen zuzuwenden. Bei der Ausdehnung und Vermeh-rung, welche die deutsche Sodaindustrie indess neuerdings gefunden,wird sie sich dem ihr ja am nächsten liegenden Rohstoffe für schwefel-saures Kalium und Potasche in um so ausgiebigerem Maasse zuwenden,als ihr durch erfolgte Reduction und erstrebte Aufhebung der Sodazölleauf dem Gebiete der Natriumsalze eine steigende Concurrenz von auswärtserwachsen muss. Die aus Stassfurter Chlorkalium bisher dargestelltendeutschen Potaschen der chemischen Fabriken zu Altdamm (Andrae& Grüneberg), Pommerensdorf, Köpenick, Berlin (Kunheim & Co.),Stassfurt (Schalke), Cöln und Barmen erfreuen sich auf inländischen wieauswärtigen Märkten einer grossen Beliebtheit und werden schon wegenihrer grösseren Reinheit den russischen und amerikanischen Potaschen beiWeitem vorgezogen. Als weiterer vortheilhafter Umstand für die ver-mehrte Production künstlicher Potaschen muss aber noch hervorgehobenwerden, dass mit dem Steigen der Holzpreise die Potaschefabrikationaus Asche sich vermindert, wie denn z. B. galizische, siebenbiirgische undschwedische Potaschen schon jetztkaum noch auf den Markt kommen J ),auf der anderen Seite wird aber der Verbrauch der Potasche in der Technik,welcher bisher mit Rücksicht auf die beschränkte, Production möglichst

J ) Es mag liier auch die Bemerkung am Orte sein, dass die Gewinnungvon Kalisalzen aus den Melassescblempen nach zwei Bichtungen sich ver-mindert; zunächst hat man die Erfahrung gemacht, dass der Procentsatzan Kalisalzen in den Rückständen der Melassen (der Schlempekohle) sich beifortgesetztem Rübenbau vermindert, während der Gehalt an Natronsalzenzunimmt und sodann hat man im Interesse einer rationellen Düngung inden letzten Jahren an vielen Orten es auch kaufmännisch vortheilhaftergefunden, die Melassensclijpmpe in unveränderter oder durch Eindampfen con-centrirter Form den Feldern wieder zuzuführen und auf diese Weise auchderen Gehalt an Stickstoff und Phosphorsäure, welcher bei' der Schlempe-kolUenbereitung ganz verloren geht, wieder zu nutzen. S. Frank: Zeitsclir.des Vereins für Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reiches 1874, XXIV) 189.

Wiener Weltausstellung. 111. 24