360
Gruppe III. Chemische Industrie. ,
verbraucht als bei ihrem ersten Anfänge — circa 375 bis 400 Kg75 bis 80 p. C. Rohsalz von 16 Kg Chlorkaliumgehalt auf 100 KgIiandelswaare von 80 p. C. Chlorkaliumgehalt — und also noch reich-lich ein Drittel des in Arbeit genommenen Rohstoffes nicht direct zuGute macht, so ist doch andererseits zu berücksichtigen, dass der Preisdes Chlorkaliums von 36 Rmk. auf 12 Rmk. pr. 100 Kg gesunken ist,während der Gestehungspreis des dazu erforderlichen Rohsalzes nurvon 12 Rmk. auf 6 Rmk. reducirt worden ist. Ferner darf hierbei nichtunberücksichtigt bleiben, dass die Kaliindustrie sich auch für die gering-haltigeren Nebenproducte der Fabrikation in deren Verwendung alsDüngsalze (vergl. S. 382 dieses Berichts) eine Absatzquelle geschaffenhat, welche es zu Zeiten manchem Fabrikanten sogar vortheilhafterscheinen liess, speciell auf grössere Mengen von mittelgrädigerenAbfallproducten zu arbeiten, selbst wenn dadurch der Rohsalzverbrauchpr. 100 Kg Chlorkalium (80 p. C.) auf 900 Kg. und darüber stieg. Ziehtman endlich in Betracht, dass das Stassfurter Kalisalzlager, namentlichnachdem seine bedeutende Ausdehnung durch die neueren, theilweisebereits aufgeschlossenen Funde bei Westeregeln (Douglashall), Löder-burg und Rothenförde (Zeche Agathe), und beim Lerchenbrunnen (Rie-beck’scher Schacht) als technisch unerschöpflich bezeichnet werdenkann, so ist die scheinbare Vergeudung von Material auch vom Stand-punkte der Nationalökonomie verzeihlich.
Nach dieser allgemeinen Betrachtung kehren wir zur Fabrikationund zwar zu der zweiten bereits erwähnten Methode der Rohsalzver-arbeitung zurück, welche sich darauf gründet, dass Chlorkalium resp.Carnallit in einem Ueberschuss von heisser Chlormagnesiumlauge löslichist, während dieselbe Chlornatrium sehr wenig, Kieserit fast gar nichtlöst. Bei dieser Fabrikationsmethode, welche zuerst von der FirmaZiervog.el &Tuchen in grösserem Maassstabe durchgeführt worden ist,wird daher das gemahlene Rohsalz nicht mit Wasser sondern mit erhitz-ter Chlormagnesiumlauge unter beständigem Umrühren mittels mechani-scher Rührwerke behandelt; der Carnallitgehalt des Rohsalzes löst sich inder Chlormagnesiumlauge auf und krystallisirt beim Erkalten nahezuvollständig wieder heraus und die Mutterlauge wird immer zu neuen Be-handlungen verwendet. Der gleich als Product der ersten Krystallisationgewonnene, sehr wenig Chlornatrium und fast gar keine schwefelsaurenSalze enthaltende, gereinigte Carnallit wurde zuerst nach dem von Balar dbeziehungsweise Merle angewendeten Verfahren durch einfaches Zerrüh-ren mit kaltem Wasser in meist ungelöst bleibendes Chlorkalium undsich lösendes Chlormagnesium zersetzt; das so erhaltene Product zeigteaber, obwohl es wenig Chlornatrium enthielt, meist einen nicht un-wesentlichen Chlormagnesiumgehalt und war ausserdem sehr feinkörnig —schlammig —, so dass es weder von den Salpeterfabrikanten, noch zurDarstellung von schwefelsaurem Kalium (durch Zersetzung mit Schwe-