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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

In den Carnalliten, Tachhydriten und Kainiten ist ein geringerTheil des Chlormagnesiums durch Brommagnesium (MgBr 2 ) ersetzt.Die Kieseritlagen schliessen vielfach sehr schön ausgebildete Krystallevon Anhydrit (Ca S O 4 ) ein, während ein anderer Theil des schwefelsaurenCalciums in Verbindung mit schwefelsaurem Kalium und schwefelsauremMagnesium den im Liegenden des eigentlichen Kali- und Kieseritlagerssich findenden Polyhalit ( 2 CaSC> 4 , MgS 04 , Ka 2 S 04 -f- 2Ii 2 0) bildet,eine Verbindung, welche bisher noch keine technische Verwendung ge-funden hat und deshalb nicht in grösseren Massen gefördert wird. Alsbisher seltener vorkommendes Mineral möge ausserdem noch Astrakanit(Na 2 S O 4 , MgS O 4 + 4 H 2 0) erwähnt werden.

Die Abraumsalzlager wurden zuerst im Jahre 1860 bergmännischaufgeschlossen, nachdem ihr Vorkommen und ihre Mächtigkeit schonhei dem 1857 beendigten Abteufen der preussischen Steinsalzschächtefestgestellt worden war; das dicht bei Stassfurt, aber auf anhaitischemGebiet belegene herzogl. anhaitische Steinsalzwerk Leopoldshall, dessenSchächte im Jahre 1858 in Angriff genommen worden waren, begannerst 1862 die Förderung grösserer Salzmengen.

Obgleich nun die Zusammensetzung der kalihaltigen Abraumsalzedurch die Untersuchungen von H. Rose, ßammelsberg, Reichardtund Anderen bereits bekannt war, bemächtigte sich die Technik desneugebotenen Rohstoffes gleichwohl nicht sofort in grösserem Maass-stabe, wenn es auch, in Folge des anregenden Einflusses der oberenpreussischen Bergbehörde an vereinzelten Versuchen hierzu nicht fehlte;die auf die Ueberspeculation des Jahres 1857 folgende Krise hatte dieCapitalisten gegen alle industriellen Unternehmungen, namentlich so-weit dieselben mit dem Bergbau zusammenhingen, misstrauisch gemacht,und obwohl der Verfasser dieses Aufsatzes, dessen Untersuchungen überZusammensetzung und technische Verarbeitung der Abraumsalze bis1859 hinaufreichen, schon im Sommer 1860 den Regierungen vonPreussen und Anhalt ein hierauf bezügliches Promemoria überreicht hatte,welches die für Fabrikation von Chlorkalium, Glaubersalz, schwefelsauremKalium, sowie von Kalidiingmitteln und endlich von Chlormagnesiumund anderen Magnesiumpräparaten erforderlichen Anlagen erörterte undRentabilitätsberechnungen enthielt, auch später seinem wesentlichen In-halt nach veröffentlicht wurde !), gelang es demselben doch erst im Früh-jahr 1861 die zur Etablirung einer kleineu, auf tägliche, Verarbeitungvon 100 Ctr. Abraumsalz eingerichteten Fabrik nöthigen Mittel aufzu-treiben und deren Betrieb mit dem 1. October 1861 zu beginnen. Von

J ) Frank, Mittheilungen der Polyt. Gesellschaft zu Berlin XXXI, 342.Frank, Preuss. Patent, datirt vom 21. März 1861.