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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Die Borsäurefabrikation in Toscana.

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die Hypothese, dass die Schwefelwasserstoff- und Dampfexhalationen ihreExistenz Vorgängen verdanken, welche von denen verschieden sind,die das Auftreten der Borsäure in den Soffionen veranlassen; Becchiund Guerazzi sehen die Borsäurequelle in einer Schicht Hayesins(Calciumborat), ohne aber die Möglichkeit des Vorhandenseins andererBorsäuremineralien leugnen zu wollen. Das Ammoniumsulfat entstehtnach Becchi in Folge Schönbeinscher Reactionen, indem sich ausaspirirter Luft und Wasserdampf salpetrigsaures Ammonium bildet,welches durch den Schwefelwasserstoff in Ammoniumsulfat und Stickstoffübergeführt wird. (Nach Meyer (s. o.) enthalten aber die DämpfeSchwefelammonium!) Dabei kann man immer noch annehmen, dassdas Material zur Bildung der Schichten von Borsäuremineralienursprünglich aus einer vulcanischen Quelle stamme und ähnlichenVorgängen, wie die auf der Insel Volcano sein Dasein verdanke.

Anderweitige Quellen von Borsäure. An der Westküste Süd-amerikas, in Peru und Chile, kommen meist unter ähnlichen Verhältnissenwie der Natronsalpeter, grössere Mengen Boronatrocalcits vor. Es ist diesein Mineral von wechselnder Zusammensetzung und wechselndem Ge-halt an Borsäure (12 bis 50 p. C.). Unter dem Namen Rhodicit kommtauch aus den Küstenstrichen Afrikas ein ähnliches Mineral. Wenndie Preise der toscanischen Borsäure, die vollständig monopolisirt ist,sehr hoch sind, so lohnt es sich, diese Materialien zur Borsäurefabri-kation zu verwenden. Man mahlt und schlemmt den Boronatrocalcitund löst ihn heiss in circa 2 / 3 seines Gewichts roher Salzsäure auf.Beim Erkalten krystallisirt der grösste Theil der Borsäure aus, dieman abtropfen lässt, mit Wasser einmal nachwäscht und ausschleudert,wodurch sie fast vollständig rein erhalten wird. Die in der Mutter-lauge gebliebene Borsäure fällt man mit Kalk aus.

Wie in Centralasien, so finden sich auch in Californien boraxhaltigeSeen (vergl. S. 329), aus denen eine Art Tincal genommen wird, der wieder Boronatrocalcit auf Borsäure verarbeitet werden kann. Es ist dies inCalifornien vor Allem der Borax Lake oder Clear Lake, dessen Grundmit Krystallisationen von Borax bedeckt ist. Man rammt in denselbeneiserne Kästen ein, pumpt diese aus und gräbt den Grundboden desSees aus, welcher, sodann ausgekocht wird. Die Production soll sogross sein, dass sie den Bedarf der Vereinigten Staaten an Borax deckt.

Wie die Borsäure Durvals und Larderels, so sollen auch dieanderen Rohmaterialien von den nämlichen Personen in Englandbereits durch Contracte monopolisirt sein. Hierin ist vielleicht der Grund' zu finden, dass jene Rohmaterialien so selten und in so geringer Mengei in deutschen Häfen anlangen und dass die Nachfrage nach Borsäurei ln Deutschland fortwährend eine rege ist.