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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
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Hör und seine Verbindungen.

Von Dr. Ferd. Tiemann

in Berlin.

Bor. Das Bor steht in seinen Eigenschaften dem Kohlenstoffund dem Silicium am nächsten; es kommt in der Natur nicht im freienZustande, sondern nur in Verbindung, in der Form von Borsäure undborsauren Salzen vor.

Das von Gay-Lussac und Thenard im Jahre 1808 'zuerst iso-lirte Bor konnte lange Zeit nur in der Gestalt eines amorphen braun-schwarzen Pulvers erhalten werden, und es blieb Wühler und St.Claire-Deville, welche ihre Versuche unabhängig von einander be-gonnen hatten, aber gemeinschaftlich vollendeten, Vorbehalten, diewahren Eigenschaften dieses Körpers festzustellen. Nach diesen For-schern tritt das Bor in zwei verschiedenen Modifieationen auf, krystal-lisirt, durchsichtig, dem Diamant entsprechend und amorph ähnlich derKohle. Anfangs glaubten dieselben noch eine zweite lsrystallisirte,undurchsichtige, mit dem Grapthit correspondirende Modification desBors entdeckt zu haben; neuere Beobachtungen von Wöhler 1 ) habenjedoch dargethan, dass die undurchsichtigen Krystalle nicht sowohlaus reinem Bor als vielmehr aus einer Verbindung von Bor und Alu-minium bestehen.

Das krystallisirte Bor erhält man, wenn man entweder Bor-säureanhydrid bei sehr hoher Temperatur (Schmelzhitze des Nickels)mit Aluminium reducirt oder amorphes Bor bei der nämlichen Tempe-ratur in geschmolzenem Aluminium auflöst und erkalten lässt. Diein dem Aluminium eingebetteten Borkrystalle werden von ersteremdurch Behandlung mit Säuren getrennt. In beiden Fällen tritt auchBoraluminium in der Gestalt von in Säuren ebenfalls unlöslichen,.undurchsichtigen, sechsseitigen Tafeln von blasser Kupferfarbe auf,welche sich von den eigentlichen Borkrystallen leicht durch Abschläm-men trennen lassen.

*) Wöhler, Ann. Cliem. Pharm. CXLI, 268.