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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Anderweitige Verwendungen des Phosphors.

Der Phosphor wird ausser zu Ziindwaaren auch sonst theils alssolcher, theils in Form zahlreicher Verbindungen noch in so vielenFällen verwerthet, dass wir es uns versagen müssen, auch nur denVersuch zu machen, dieses ausgedehnte Capitel erschöpfend zu behan-deln. Der wissenschaftliche Chemiker bedient sich dieses Elementeshei zahllosen Untersuchungen, wie z. B. zur Darstellung des Jodmethylsund Jodäthyls, welche durch die Arbeiten von A. W. Hofmann unent-behrliche Hilfsmittel der Forschung geworden sind und ja auch in derFarbentechnik umfassende Verwerthung gefunden haben. Oft wird hierbeistatt des gewöhnlichen, amorpher Phosphor gebraucht, weil in der Regel dieReactionen mit diesem weniger heftig vor sich gehen, als mit jenem.

Auch in der Pharmacie spielt der Phosphor, hier aber zumal inseiner Sauerstoffverbindung, der Phosphorsäure, eine wichtige Rolle.So ist, um auch hier nur einige Beispiele anzuführen, die Phosphorsäureein vorzügliches Mittel, dem Organismus das zur Blutbildung unent-behrliche Eisen zuzuführen. Aus diesem Grunde ist pyrophosphor-Sfiures Eisenoxyd, welches keinen tintenartigen und überhaupt nur einensehr schwachen Geschmack besitzt, schnell ein beliebtes Arzneimittelgeworden; im Eisensyrup von Grimault, im Löflund'sehen Malz-extract und im Eisenzucker ist dieses Salz ebenfalls enthalten. Auchals Reagens auf manche Körper, welche dem Arzneischatze ängehören,ist die Phosphorsäure wichtig. Nach Kratschmer und Nowak 1 )ist sie das vorzüglichste Reagens auf Atropin; nach C. Scheibler 2 )giebt es kein besseres Fällungsmittel für fast alle organischen Basen,als die Phosphorwolframsänre, eine Verbindung von Phosphor-säure mit Wolframsäure, welche gleich gut verwendbar sein soll fürwissenschaftliche wie für technische Zwecke.

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist aber der Fortschritt, welchervon Prof. E.N. Horsford in Cambridge (Nord-Amerika) mit Hilfe derPhosphorsäure in der Bereitung des Brodes ohne Hefe, also ohneGährung, erzielt worden ist. Liebig 3 ) nennt diese Erfindungeineder wichtigsten und segensreichsten, welche in dem letzten Jahrzehendgemacht wurden. Professor Horsford, der bei seiner Anwesenheitin Wien während der Weltausstellung, für die er als Juror fungirte,sein Verfahren im Laboratorium des Berichterstatters auszuführen sogütig war, verfährt wie folgt. Weisse, gewaschene Knochenasche

*) Kratsclimer u. Nowak. Wien. Akad. Ber. II, 69. 2 ) Scheibler,

Dingl. pol. J. CCIX, 141. 3 ) Liebig, Ann. Chem. Pliarm. CXLIX, 37;

Wagn. Jahresber. 1869, 470.