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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

sich in Bergreichenstein. Ausserdem wurden kleinere Hilfswerkstätteneingerichtet und zwar: für Erzeugung von Holzdraht und Papparbeitenin Bergstadtl und Welhartitz; für Brettsägen in Scherlhof und Neu-hurkenthal. Gegenwärtig beziehen zahlreiche in- und ausländischeFabriken Holzdraht, Schachteln und dergleichen aus dem Böhmerwald.In den genannten Fabriken sind 500 männliche und 700 weiblicheArbeiter in den Etablissements, 600 männliche und 1200 weiblicheArbeiter auswärts, also im Ganzen 3000 Personen beschäftigt und esstehen drei Wasserräder mit zusammen 35 Pferdekräften zur Verfügung.Mit diesen Mitteln werden jährlich 30 000 Ctr. Waaren im beiläufigenWerthe von 1 000 000 fl. erzeugt, von der 800 000 fl. auf den Exportnach Russland, der Levante, Ostasien und Amerika entfallen, welcherdurch eigene Depots auf überseeischen Handelsplätzen unterhalten wird.An den im Jahre 1872 im Ganzen aus Oesterreich ausgeführten Zünd-waaren participirt die Firma Fürth mit nicht weniger als dem drittenTh eil.

Die seit dem Jahre 1835 bekannte Firma A. M. Pollak, welchesich ebenfalls um die Begründung und Entwickelung der Zündholz-industrie in Oesterreich in hohem Grade verdient gemacht hat, hat ihreFabriken und Betriebsstätten in Wien, Prag, Budweis und Christian-berg. Die Erzeugung von Phosphorhölzchen mit bunt lackirten Köpfen,welche sich durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit aus-zeichnen, wurde im Jahre 1847 eingeführt. Sie werden gegenwärtigin beträchtlicher Menge nach Russland, dem Orient, nach Indien, China,Japan und Aegypten versendet. Diese Firma wurde bereits auf derWeltausstellung in London mit der grossen Preismedaille ausgezeichnetund besteht in Folge der vorzüglichen Qualität ihrer Artikel die Con-currenz, obwohl ihre Waare um 8 bis 10 p. C. höher im Preise stehtals die der übrigen Fabriken. Das Geschäft ist noch immer in raschemAufschwung begriffen, wie der Umstand zeigt, dass eben eine neueFabrik in Böhmen und eine zweite in Galizien errichtet wird.

Unter den minder umfangreichen Geschäften verdienen noch LudwigAchleitner in Salzburg und Adalbert Scheinost in Schüttenhofen(Böhmen) genannt zu werden. Der Erstere wurde schon 1861 in Londonund 1867 in Paris wegen seiner sogenannten Schnellzünder prämiirt, beiwelchen die Hölzchen oder Spähne sich schon beim raschen Herausziehenaus demEtui entzünden, daher der Name. Der Letztere ist wegen der man-nichfachen und geschmackvollen Formen, welche er seinen Zündwaarenzu geben gewusst hat, bemerkenswerth. Beiläufig mag hier auch noch er-wähnt werden, dass der letztgenannte Aussteller auf seine Versuche zurWiedergewinnung des Phosphors aus den Zündhölzchen, die als Ausschussabfallen, aufmerksam gemacht hat. Der wiedergewonnene Phosphor be-trägt ungefähr 1 p.C. des verwendeten. Früher wurde der Ausschussdurch Verbrennen unschädlich gemacht. Dieser Ausschuss, welcher