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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
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lieber die praktische Yerwerthung desStickoxydulgases.

Von Dr. Oscar Liebreich,

Professor der Medicin an der Universität Berlin.

Während die wissenschaftliche Chemie in rastloser Thätigkeitschnell auf einander folgend neue Substanzen erzeugt, und durch denReiz dieser productiven Thätigkeit stets zahlreiche schaffende Jüngererwirbt, tritt die seltsame Erscheinung zu Tage, dass die Medicin nurin bedächtiger Weise die Substanzen prüft, deren jede auf den thieri-schen Organismus einen Einfluss, wenn auch nicht immer einen praktischverwerthbaren, ansübt. Der Mangel guter Methoden, die überausschwierige Beurtheilung des Nutzens, zumal in der Menschentherapie,die stets mit grossen individuellen Schwankungen zu kämpfen hat, gebenuns eine Erklärung für diese Erscheinung ab. Und so ereignet es sich,dass Substanzen, welche dem Chemiker längst nach den verschiedenstenRichtungen hin bekannt sind, plötzlich zu einer erhöhten Bedeutung ge-langen, wenn ihr Nutzen von einer anderen wissenschaftlichen Disciplinerwiesen worden ist. Weniger in der Technik als gerade in der medici-nischen Wissenschaft tritt dies Ereigniss ein. Einer jener Stoffe, welchedurch die praktische Verwerthung ein erneutes Interesse gewonnenhaben, ist das Stickstoffoxydul. Bisher nur in den Laboratorien ausge-führt, geschieht die Darstellung jetzt in grossem Betriebe, gleich deranderer in die Therapie eingeführter Stoffe.

Das Stickstoffoxydul entsteht bekanntlich in vielen Reactionen. Esresultirt beim Behandeln von gekörntem Zink mit Salpetersäure. DieselbeSäure erzeugt mit einer salzsauren Auflösung von Zinnoxydul u. s. w.Stickstoffoxydul. Von allen diesen Reactionen benutzt man jedochfür die Darstellung im Grossen nur das Erhitzen von salpetersauremAmmonium. Da es sich bei der medicinischen Verwerthung um völligeReinheit des Gases handelt, so ist auf die Anwendung eines reinenSalzes besonderes Gewicht zu legen. Das durch Neutralisation von reiner