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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Die Schwefelindustrie Siciliens.

man in der Regel nur seinem Gange zu folgen, um auf ein Schwefellagerzu treffen. Auch das Vorkommen kieselführenden Kalksteins, sowie dasAuftreten von Schwefelquellen, gelten bei der Aufspürung von Schwefel-lagern als willkommene Anhaltspunkte. Die ersten Arbeiten bestehenin dem Eintreiben stark geneigter Stollen, welche die einheimischen Berg-leute mit den Namen huchi oder scaloni bezeichnen. Letztere Bezeichnungträgt dem Umstande Rechnung, dass man sie meist in treppenförmigenAbsätzen anlegt, welche dann wieder als sani und rotti unterschiedenwerden, je nachdem die Gallerien gradlinig fortlaufen oder in Winkelnaus der geraden Linie heraustreten.

Arbeiten in den Schwefelgruben. Die Bergleute, welche dieSchwefelerze fördern, heissen picconieri, sie arbeiten unter der Leitungvon Aufsehern, welche den Namen capomastri führen. An der Spitzedes Etablissements, unmittelbar unter der Administration, steht jetztin der Regel ein wissenschaftlich gebildeter Bergingenieur. Die Auf-gabe der Picconieri ist, das Schwefelerz aus den Gängen auszuspaltenund zu zerschlagen; dies geschieht mit einem schweren Hammer ( piccone )von etwa 6 Kg Gewicht, welcher, um das Spalten zu erleichtern, auf dereinen Seite zugeschärft ist. Nur äusserst selten bedient man sich desSchiesspulvers, wenn nämlich die Gangart aus dem härtesten Kalksteinbesteht. Die Stollen folgen der Richtung und der Neigung der Adenound Gänge und verzweige* sich besonders an den Stellen, an dentKsich das Schwefelmineral reich und leicht bearbeitbar erweist. Aufdiese Weise entsteht eine Reihe von Räumen, gallerie oder caverne ge-nannt, jeder Form und jeder Grösse, welche in mannichfaltigster Weiseineinanderlaufen. Die Breite dieser Gallerien beträgt 2 bis 2 1 / i m,ihre Höhe wechselt, und ist bis zu einem gewissen Grade von derDicke der Schichten, zumal aber auch von der Härte des die Schwefellagerumschliessenden Gesteins abhängig. Wo diese von geringer Härte,würde es gefährlich sein, den Gallerien eine grössere Höhe als 2 mzu geben; um dieselben gegen den Einsturz zu sichern, werden ihreWände des Oefteren durch Mauerwerk gestützt, welches entwedertrocken gefügt oder durch Gypsmörtel verbunden ist.

Die 14 bis 15 Millionen Quintale Schwefelerze, welche die 250Solfaren Siciliens alljährlich fördern, werden fast ausschliesslich durchMenschenkraft in Bewegung gesetzt; sowohl in den Gallerien als auchaufwärts nach der Mündung der Grube wird der Transport der Erzevon Tausenden von Jungen im Alter von 8 bis 10 Jahren ( manuali ) be-sorgt, welche das Erz auf der Schulter oder auf dem Rücken tragen.Nur wenn die Gruben eine grössere Tiefe als 100 m erreicht haben,ist diese Art des. Transportes aus gesundheitspolizeilichen sowohl alsökonomischen Rücksichten nicht länger ausführbar; in dieser Tiefeund zumal auch, wenn Wasser zu bewältigen sind, muss ma^i zu Ma-