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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Chlor, Brom, Jod, Fluor.

Die Methode der Jodgewinnung aus Chilisalpeter-Mutterlaugen,welche auf Veranlassung von Thiercelin in der Fabrik der So-ciete nitriere inTarapaca anfänglich befolgt wurde, und nach welcher,wie bereits erwähnt, im Jahre 1868 dort täglich 40 Kg Jod producirtwurden, ist kurz folgende: Die in der Mutterlauge enthaltene Jodsäurewird durch die genau hinreichende Menge schwefliger Säure reducirt.Das dadurch gefällte Jod bringt man in ein grosses Thongefäss mitdurchlöchertem Boden auf ein Sandfilter, welches den grössten Theilder da.s Jod durchtränkenden Salzlösung ablaufen lässt. Hierauf wirdes mit irdenen Löffeln in einen dickwandigen Kasten aus Gyps geschöpft,welcher den Rest der vorhandenen Flüssigkeit schnell aufsaugt. Dasso gewonnene rohe Jod wird entweder in diesem Zustande in denHandel gebracht, oder zuvor der Sublimation unterworfen. Späterwendete Thiercelin zum Fällen desJodes salpetrige Säure an, welcheer durch Anzünden eines Gemisches von 5 Thln. Natronsalpeter und1 Thl. Kohle gewann (Verfahren von Duhamel zur Darstellung von Soda).

Endlich theilt G. Langbein mit, dass er in den Officinen desHauses Gildemeister &. das Jod nach einer anderen Methode alsder von Thiercelin vorgeschlagenen gewinne, da letztere das nebender Jodsäure als Jodnatrium vorhandene Jod unberücksichtigt lasse.Dieser Vorwurf trifft aber die zuletzt mitgetheilteMethode von Thier-celin nicht, da Jodwasserstoff von salpetriger Säure mit der grösstenLeichtigkeit zersetzt wird.

Der Verbindungen des Jods finden in der Grossindustrie nur wenigeVerwendung und werden von derselben nur in geringer Menge producirt.Vorschläge, welche für verbesserte Darstellungsweisen gemacht wordensind, haben also auch nur ein beschränktes Interesse und können daheran diesem Orte nur flüchtig Erwähnung finden.

Für Darstellung von Jodkalium, Jodcalcium, Jodlithium em-pfiehlt Liebig 1 ) durch Wechselwirkung zwischen amorphem Phos-phor, Jod und Wasser eine Lösung von Phosphorsäure und Jodwasser-,stoff darzustellen und die saure Flüssigkeit durch Aetzbaryt zu sättigen.Während phosphorsaures Barium niederfällt, bleibt Jodbarium inLösung, aus welchem sich nun durch Fällen mittelst eines Sulfats(Pettenkofer) ein beliebiges lösliches Jodid darstellen lässt. Zur Dar-stellung von Jodcalcium wäre die Säure durch Kalkmilch zu sättigen.

Rud. Wagner 2 ) empfiehlt die Jodide durch Zersetzung schweflig-saurer Salze mittelst Jod darzustellen. Hierzu eignet sich namentlichschwefligsaures Barium, welches in Wasser vertheilt bei der Behandlungmit Jod als Blanc fixe zu verwerthendes schwefelsaures Barium und Jod-

*) Liebig, Ann. Chem. Pharm. CXXI, 222; Wagn. Jahresber. 1862,267. 2 ) Wagner, Bayer. Kunst- u. Gewerbebl. 1862, 235; Wagn. Jahresber.1862. 261.