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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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76 Gruppe III. Chemische Industrie.

I. Kälte durch Auflösung.

Jede Mischung von Substanzen, in dem Verhältniss wie sie bei derAuflösung die tiefste Temperaturerniedrigung ihrer eigenen Masse be-wirken, nennt man bekanntlich eine Kältemischung. Zahlreichederartige Mischungen sind schon seit lange beschrieben und in allenLehrbüchern der Physik angeführt; die bekannteste und häuslich wiegewerblich am meisten angewendete setzt allerdings das Vorhandenseinvon Eis selbst voraus. Sie besteht aus 3 Theilen Eis und 1 TheilKochsalz, welche sich gegenseitig lösen, indem die Temperatur dabeibis 21° C. sinkt. Es ist dies der Gefrierpunkt der concentrirtenKochsalzlösirng. Es bedarf der Schmelzung nur eines Theils der Mischung,um in der ganzen Masse diese niedrige Temperatur zu erzeugen; erstwenn Wärme von aussen in die Masse eindringt, kann immer bei der-selben Temperatur eine weitere Schmelzung von Statten gehen. InFolge dessen lässt sich die Temperaturerniedrigung so lange erhalten,bis alles Eis sich mit dem Salze aufgelöst hat. Doch ist 'es nöthig,die Masse fortdauernd umzurühren. Dieser Salz-Eis-Kältemischung be-dient man sich zur Bereitung von Gefrornem, welches zu seiner Bildungeiner Temperatur von etwa 1 2 0 C. bedarf. Da hierbei im WesentlichenWasser zum Gefrieren zu bringen ist, die beigefügten anderen Sub-stanzen wenigstens hinsichtlich specifischer und latenter Wärme fast zuvernachlässigen sind, so lässt sich leicht ausrechnen, wie viel Gefrornesdem Gewicht nach vermittelst einer bestimmten Menge Kältemischungbereitet werden kann.

Die Gefrierapparate der Conditoren bestehen aus einem Zinntopfzur Aufnahme der Cremes oder des Syrups, der in einem grösseren Gefässvon Holz oder verzinntem Kupfer steht; der Zwischenraum wird mitSalz und Eis ausgefüllt, die Mischung muss fortwährend gerührt werden,damit Salz und Eis in vielfältige Berührung gelangen; wird dies ver-säumt , so senkt sich das Salz, nachdem etwas Lösung bereits gebildet,zu Boden und wirkt nicht weiter auf das Eis ein. Seit Mitte dersechsziger Jahre etwa kommen von Paris Apparate zum 'Haushaltungs-gebrauch in den Handel, welche folgende Einrichtung haben. Ein cylindri-sches doppelwandiges Gefäss ans Blech trägt in der Mitte des Mantelszwei Zapfen, die auf zwei auf einer Holzplatte befestigten Stützenruhen; der eine Zapfen setzt sich in eine Kurbel fort, welche dazudient, den Cylinder in Umdrehung zu versetzen. Die beiden ebenenEndflächen des Cylinders sind Holzscheiben, welche durch einen eigen-thümlichen Verschluss auf den Cylinder aufgedrückt werden; zur Her-stellung vollkommener Dichtung sind Gummiringe unterlegt. DerZwischenraum beider Cylinderwände ist mit einem schlechten Wärme-leiter ausgefüllt. In das Innere ist ein Blechconus eingesetzt, welcher,