Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

Ueber Trinkwasser.

73

Organischer OrganischerKohlenstoff Stickstoff

Drainirwasser von cultivirtem Land auf Kreide . . . 0'815 0'121

nach dem Durchsickern durch eine

80 m dicke Kreideschicht.0'027 0'006

Die Filtration des Trinkwassers im grossen Maassstabe lässt siebnur selten mit stets gleichbleibender Wirksamkeit ansführen; manpflegt deshalb das Wasser, mit welchem Städte versorgt werden, häufignoch einer Filtration im Hause zu unterwerfen. Unter den für diesenZweck angewendeten Materialien stehen, was ihre Wirksamkeit für dieEntfernung organischer Materie anlangt, Thierkohle und schwammigesEisen in erster Linie. Wasserproben vor und nach dem Durchgangdurch ein Kohlefilter genommen, welches den ganzen Wasserverbraucheiner Familie von neun Personen liefert, gaben bei der Analyse fol-gende Resultate.

Organischer OrganischerKohlenstoff Stickstoff

Themsewasser der Grand Junction Company

vor dem Filtriren durch Thierkohle.0'129 0'023

nach .0'029 0007.

Nach etwa vier Monaten ist die Wirkung der Thierkohle er-schöpft.'

Noch bemerkenswerthere Ergebnisse sind bei der continuirlichenFiltration von Trinkwasser durch Eisenschwamm erzielt worden,welchen man durch Reduction von Hämatit mit Kohle bei möglichstniedriger Temperatur erhält, ein Yerfahren, welches neuerdings vonProf. G. Bischof vorgeschlagen worden ist. Nach beständigem Ge-brauch während acht Monaten bewirkt ein kleines mit Eisenschwammbeschicktes Filter noch eine sehr befriedigende Reinigung des Wassers,wie aus den folgenden analytischen Ergebnissen ersichtlich ist.

Organischer OrganischerKohlenstoff Stickstoff

Thernsewasser der Chelsea Company

vor der Filtration durch Eisenschwamm. 0'210 0'032

nach . 0'048 0'009

Allein trotz dieser befriedigenden chemischen Reinigung desmit Fäcalsubstanzen verunreinigten Wassers, durch häusliche oder ander-weitige Filtration, fehlt doch jeder Beweis, dass solches Wasser dieFähigkeit verloren habe, epidemische Krankheiten zu verbreiten. Nurerst, wenn man die nicht genug zu beklagende Gewohnheit, das Wasseraus mit Fäcalsubstanzen besudelten Quellen zu schöpfen, vollstän-dig aufgegeben haben wird, darf sich das menschliche Geschlecht gegendie Verbreitung epidemischer Krankheiten durch das Trinkwassergeschützt erachten.