Druckschrift 
Kleine historische Schriften
Entstehung
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

Bittorio Alfieri und die Gräfin von Albany. 409

und pecuniäre Interessen handelte, ist begreiflich. In welchemGemüthszustande Carl Eduard sich nach ihrer Flucht befand,hat uns sein oben mitgetheiltes Billet gezeigt. Mehr als einRest von Zuneigung, hat wol das Gefühl der Demüthigung,infolge des nicht zu seinem Vortheil durch das Ereigniß ver-anlaßten Aufsehens, aus ihm gelastet. Er wandte sich selbstan den Erzbischof von Florenz, den im Jahre 1781 zu dieserhohen Würde berufenen Antonio Martini, welcher in seinerÜbersetzung und Erläuterung der Bibel ein schönes Denkmalseiner Gelehrsamkeit und seines Hirteneifers hinterlassen undin ruheloser Zeit viele Jahre lang segenreich gewirkt hat.Besäße ich nicht vollkommene Kenntniß der Frömmigkeit undreligiösen Gesinnung Eurer Hoheit und Eminenz", schrieb dieseram 20. November gedachten Jahres an den Cardinal vonAork,so würde ich nicht wagen dies Blatt an Sie zu richten,da es sich um eine sehr heikle Angelegenheit handelt, in welcheich mich, infolge der nicht um meiner Verdienste willen mirangewiesenen Stellung, zu meinem höchsten Mißvergnügen ver-wickelt finde. Der Herr Graf von Albanh hat mich wiederholtbitten lassen mich zu ihm zu begeben, und sich dann mehrmalsnach der erzbischöflichen Residenz verfügt um mit mir zureden, so daß ich mich endlich genöthigt fand ihm einen Be-such abzustatten. Der Beweggrund, wegen dessen er so dringen-den Wunsch mit mir zu sprechen an den Tag legte, wurdemir vom Moment an klar, wo ich in sein Cabinet trat.Dieser Beweggrund ist die entschiedene Absicht hier einenProzeß einzuleiten, um, wie er sagt, seine Gemalin wiederzu-erlangen. Ich that alles was ich konnte um seine Hitze zumäßigen, aber es gelang mir durchaus nicht, sodaß ich endlichmich darauf beschränkte ihn zu bitten, die Sache ein wenigruhen zu lassen und mir Zeit zu gönnen, ruhig über eineFrage nachzudenken, die mir reife Überlegung zu heischen schien.Wiederholtes Drängen während weniger Tage hat mir jedochklar gemacht, daß ich eine Antwort werde geben müssen. So-mit wende ich mich an E. H. mit der Bitte mir anzudeuten,was ich unter solchen Umständen thun kann, wo ein Ehemann