Druckschrift 
Kleine historische Schriften
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

IX.

Es ist nicht schwer sich die Zustände der Jonischen Inselnam Ende der venetianischen Epoche zu vergegenwärtigen.

Die Verwaltung war keine drückende. Das Verhältnißder Ionier zu Venedig war ein naturgemäßeres als das späterezu dem entfernten England. Wenn sie formell nicht so vielepolitische Rechte hatten, wie seit der unter dem Lord Ober-commissar Sir Thomas Maitland im Jahre 1817 verkündigtenConstitution für die unter dem Protectorat Großbritanniensstehende Heptanisos-Republik, so waren sie inderthat vielleichtfreier. Jedenfalls waren sie es relativ, mit Rücksicht auf Zeitund Stimmung wie auf die politische Lage Europa's. DieVenetianer dachten nicht daran noch brauchten sie das National-gefühl des ionischen Volkes, welches kaum anders als in re-ligiösen Fragen lebendig zum Vorschein kam, gewaltsam zuunterdrücken, wie es in späterer Zeit vorgekommen ist. ImGegentheil zogen sie von dem Nationalgefühl Nutzen imKampfe gegen den Halbmond, der Treue und Anhänglichkeitder Ionier durch lange Erfahrung und gemeinsame Interessengewiß. Dies hat sich nachmals geändert. Die Maschineriedes neuen konstitutionellen Staates stand im offenbarsten Mis-verhältniß zu dessen innerem Wesen und die Formen des Gou-vernements verdeckten nur nothdürstig dessen Machtlosigkeitim Verhältniß zu der Schutzmacht. Die Inseln bildeten nichtmehr wie ehedem eine Vormauer der Christenheit, da die Ex-pansivkraft des Mohammedanismus längst geschwunden war, wasschon den letzten venetianischen Berichterstattern nicht verborgen