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König Victor Amadeus' II.
und die Sachen kamen so weit, daß der König einen päpst-lichen Abgesandten nicht vorließ, der sardinische Gesandte vonRom abberufen ward, Maßregeln gegen widerspenstige Bischöfeergriffen, die Kirchenlehen in Piemont militärisch besetzt wur-den und ein offener Kriegszustand eintrat. Der Papst hattedies nicht erwartet, indem er den neuen König für minderentschlossen hielt, als der frühere gewesen war. Diesmal abergingen die Sachen gerade umgekehrt. Victor Amadeus warder Ansicht, man sei in Turin zu rasch verfahren: das Systempassiven Widerstandes wäre ihm, den römischen Ansprüchengegenüber, passender erschienen. Vielleicht wirkte auf ihn derUmstand, daß man ihn nicht um Rath gefragt hatte; vielleichtglaubte er auch, sein Sohn sei fremdem Antriebe gefolgt.Ausdrücklich frug er D'Ormea, ob der König den Befehl, denpäpstlichen Abgeordneten aus dem Lande zu weisen, selbst ge-geben habe. Die Antwort lautete, der Entschluß komme vomKönige, der dabei nur die eigene Würde um Rath gefragt,und das Beispiel seines erhabenen Vaters befolgt habe. Eswollte Victor Amadeus nicht in den Sinn: er schrieb dasschroffe Vorgehn dem Minister zu, und täuschte sich nicht.Seine Verstimmung ward durch anonyme Briefe gesteigert,welche seine Regierung der Tyrannei, ihn der Irreligiositätbeschuldigten. Unthätigkeit und physische Leiden machten ihrRecht geltend. Seit früher Jugend an die Mühen und Auf-regung des Regierens gewohnt, hatte er in der Beschäftigungmit Literatur nnd Wissenschaft weder Erholung noch Erhebunggefunden. Die Religion war für ihn vielmehr ein Gewebemeist äußerlicher Übungen, als die himmlische Trösterin in denWiderwärtigkeiten und dem Unglück des Lebens. In seinerUmgebung endlich hörte er keine besänftigende Stimme, welchediese Mißtöne schweigen hieß.
Die Marchesa di Spigno ward von den Zeitgenossen an-geklagt, die Flamme angefacht zu haben, und die Geschichtehat diese Beschuldigung wiederholt. Es läßt sich durch nichtserweisen, und sie war wol zu vorsichtig, um den Vater gegenden Sohn zu stimmen und ihn zu reizen, wieder nach der