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König Victor Amadeus' II.
düng mit jener der Marquise. Das Lehen von Spigno, imsüdwestlichen Piemont am Fuße der Apenninenkette gelegen,war an den Fiscus zurückgefallen, von Victor Amadeus ange--kaust und für seine Gemalin bestimmt worden.
So verging der Monat August. Am 31. desselben theilteVictor Amadeus dem Minister des Auswärtigen, Marchese delBorgo, die Abdankungsurkunde mit. Dieser versuchte ihnvon seinem Entschlüsse abzubringen. „Mein lieber Marchese",erwiderte der König, „es ist gut, daß ich mich zurückziehe. Ichwar geboren, mich und Andere zu quälen. Ich bin alt, Car-lino (so pflegte er seinen Sohn zu nennen) ist selbst zu regierenfähig. Ich will mich ausruhen." Als er später frug, ob dieUrkunde in Ordnung sei, erwiderte der Marchese mit Ja; nurstehe nicht darin, daß die Unterthanen ihres Eides entlassenseien. Es ist mit andern Worten ausgedrückt, antwortete derKönig, und dies genügt.
Hierauf ließ er den Prinzen rufen und zeigte ihm seinenEntschluß an. Nicht Bitten noch Thränen des Sohnes machtenihn schwanken: er sagte, er wolle es so. Er empfahl ihm,ein gerechter Herrscher zu sein, sich nicht durch fremden Rathlenken zu lassen, selbst thätig zu sein, und nicht in das weichlicheLeben seines Vetters Ludwig XV. zu verfallen. Er nannteihm die Personen, mit denen er ihn umgeben, und zählte derengute Eigenschaften und Schwächen auf. Vor allen möge ersich auf den Marchese d'Ormea verlassen, der im Begriff sei,von Rom einzutreffen. Der Marchesa di Spigno hielt ernoch Alles verborgen.
Am 3. September wurden der Erzbischof von Turin, dieRitter des Annunziatenordens, die Staatsminister, der Groß-kanzler, die ersten Präsidenten und die Großen der Krone nachdem Schlosse Rivoli beschieden, wohin auch die fremden Ge-sandten geladen wurden. Wenige wußten um den Anlaß zuder ungewohnten Berufung, und diese Wenigen schwiegen. Allewaren in äußerster Spannung. Die Prinzessin Polhxena warmit der Marchesa di Spigno und den Hofdamen in ihremEmpfangzimmer, die Versammlung der Würdenträger im großen