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Kleine historische Schriften
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König Victor Amadeus' II.

oder sieht man vielleicht heute noch ihr lebensgroßes Bildniß,auf einem Tischchen ein königliches Diadem. Es mag be-fremden, daß sie sich damit schmeichelte, wenn sie ihrer Ver-gangenheit gedachte; aber man war damals in Königshäusernan die Laune des Geschicks gewöhnt worden. Ein Diademerreichte Anna Teresa Canalis nicht, wohl aber bewahrheitetesich an ihr die Prophezeiung dessen, dem sie ihre Pläne mit-theilte, des königlichen Beichtvaters Abate Dormiglia: Gräfin,Sie laden sich ein schweres Kreuz auf."

Der König verfolgte zur selben Zeit in der Stille seinebeiden Pläne. Es war im Frühling 1730. D'Ormea, geradedamals wieder in Rom (Papst Benedict XIII. war am 21. Fe-bruar gestorben, und es war noch ungewiß, wie sein Nach-folger Clemens XII., Corsini, sich dem Abkommen mit Pie-mont gegenüber verhalten würde) erhielt von ihm den Auftrag,eine päpstliche Dispens für die Ehe eines St. Mauritiusrittersmit einer Wittwe nachzusuchen. Eine solche Dispens warnöthig, da der Orden noch seinen halbgeistlichen Charakter be-wahrte, welchen Amadeus VIII. ihm bei seiner Stiftung ge-geben hatte. Die Namen waren nicht genannt; D'Ormeaerlangte die Dispens, ohne zu wissen für wen sie bestimmtwar. Noch ahnte niemand die Dinge die im Anzug, ja schonso nahe waren. Politische Motive haben mit dem Beschlüsseder Thronentsagung nichts zu schaffen gehabt. Victor Ama-deus empfand das Schwinden seiner Körperkraft und scheintsich zuzeiten auch geistig angegriffen gefühlt zu haben. SeinGedächtniß war geschwächt. Am Tage der Abdankung selbsthat er gegenüber dem französischen Gesandten Grasen Blondelsich darüber geäußert. Dieser, dem er großes Vertrauenschenkte, scheint der Einzige gewesen zu sein, dem er eine ferneAndeutung seiner Absicht gab. Am 22. April stand er mitihm an einem Fenster des Palastes, von wo der Blick überdie nach der Lombardei sich erstreckende Ebene schweift. DerGesandte wies auf die Fernen hin.Ich verstehe", sagte derKönig. Dann, indem er ihm eine Hand aus die Schulterlegte:Man hält mich für ehrgeizig und neuerungsüchtig, zum