II.
Der Wechsel, welchem Victor Amadeus sich unterwerfenmußte und der ihn für den Rest seines Lebens verstimmt underbittert hat, ist aber im Grunde kein Unglück für ihn undseinen Staat gewesen. Dieser Staat war zu schwach, die großeInsel zu dominiren und zu assimiliren. Das weite neapo-litanische Festland hat es nicht vermocht, der autonomen undseparatistischen Tendenzen Siciliens Herr zu werden: wie solltedies dem kleinen Piemont gelingen und seinem halbfremdenFürstengeschlecht, das noch beinahe anderthalb Jahrhundertelang französisch, nicht italienisch sprach? Die piemontesischeHerrschaft auf der Insel hat nur Mißerfolge zu verzeichnen ge-habt und keine erfreulichen Erinnerungen hinterlassen. Sar-dinien war eine magere Entschädigung. Es zählte nicht vielüber 300,000 Bewohner und trug keine 400,000 Liren ein,war verschieden von den Festlandstaaten nach Bevölkerung, In-stitutionen, Traditionen — der Staat von mäßigem Umfang,über welchen das savohische Haus herrschte, fügte zu seinenbeiden Nationalitäts-Elementen, dem italienischen und dem fran-zösischen, durch diese Erwerbung gewissermaßen ein drittes hinzu,denn der Sarde war mehr spanisch als italienisch. WiederholteInvasion hatte die längst verwahrloste Insel zugrunde gerichtet.Aber die neue Regierung, so viel sie auch zu thun ließ und bisauf neueste Zeiten zu thun gelassen hat, fand hier doch einedankbarere Ausgabe als in Sicilien, die indeß nur unvoll-kommen gelöst worden ist.
Victor Amadeus hat die freie Zeit, welche ihm der wieder-