Eine florentinische Edelsrau im 15. Jahrhundert. 103
welche Tommaso Portinari für die Kirche des von seinenVorfahren gegründeten Spitals von Sta Maria Nuova be-stellte. Und für Florenz scheint ein anderes noch berühmteresBild der Van-Eyckschen Schule bestimmt gewesen zu sein, dasdem Hans Memling zugeschriebene Weltgericht der DanzigerMarienkirche, welches ein dieser Hansestadt angehörender Piratim Jahre 1473 mitsamt einer von demselben Portinari aus-gerüsteten Galeere erbeutete, wobei dreizehn Florentiner imKampfe das Leben verloren.
Auch als Filippo schon ein gemachter Mann war, warteteAlessandra noch ihres Amtes als ernste mütterliche Beratherin.Dem Zwanzigjährigen hatte sie geschrieben: „ Suche zu sparen IDu hast's nöthig, denn deine Verhältnisse sind schlimmer alsDu Dir einbildest." Dem Vierunddreißigjährigen schrieb sie:„Mit Freuden vernehme ich daß, was man Dir zur Last legt,auf Lügen beruht. Gott erleuchte die, welche Unwahres reden;solche Naturen sind zu bemitleiden. Die Wahrheit behauptetimmer ihr Recht. Sehet strenge darauf, daß Ihr pflichtgemäßhandelt und hütet Euch vor Unrecht, denn sonst beleidigt IhrGott und die eigne Seele, somit Alles. Besser weniger irdi-sches Gut als ein Vergehn gegen den, der unsere Handlungenzu richten hat. Unser Leben in dieser Welt ist kurz, und wirmüssen dafür Sorge tragen, daß uns Ruhe zutheil werde indem, welches kein Ende nimmt. Dem Nächsten sein Rechtvorenthalten, zieht uns Verurteilung zu: das Evangeliummahnt uns daran. Ich weiß, daß Du weißt was ich Dirschreibe, aber ich bringe es Dir in Erinnerung. Denn Ihrseid von meinem Fleisch und Blute und ich liebe an Euch Leibund Seele, und es ist meine Pflicht Euch an euer Heil zu er-innern. Ich bin höchlich zufrieden mit deinem guten Namenund deiner Haltung, und es ist mir Trost und Freude, daßdie Reden Übelwollender Dich nicht hindern geraden Wegs zugehn, mit Bedacht aus dein Seelenheil. So bete ich zuGott, daß Er Dir Gnade verleihe."