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Kleine historische Schriften
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Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 81

Besitzes wurde sie aber unschlüssig, da sie nicht wußte, wie dieVerhältnisse ihrer Söhne sich gestalten, ob dieselben nach Ab-laus der Exilszeit, welche sich dem Ende nahte, dauernd in dieVaterstadt zurückkehren würden.

Nicht gleiche Freude wie der älteste Sohn, bereitete derMutter der zweite, Lorenzo. Wir ließen ihn in Avignon, woer noch gegen Ende 1448 war. Er hatte nach London gehnsollen, war aber von seiner Reisegesellschaft im Stich gelassenworden. Die Entfernung war zu groß, als daß in so unruhigenZeiten der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Englandwar abgelaufen, und König Carl VII. bereitete durch Erobe-rung des Maine und der Normandie die gänzliche Vertreibungder Engländer vom französischen Boden vor das Reisenleicht und sicher gewesen wäre. Endlich wurde er in dasHandelshaus nach Brügge versetzt, welchem der dritte derälteren Verwandten, Jacopo, Vorstand. Die Hauptstadt vonFlandern hatte damals schon nicht mehr die Bedeutung, welchesie im 13. Jahrhundert erlangt hatte, als die südlichen Na-tionen, namentlich die Italiener, sie zum Hauptstapelplatz ihresHandels mit den nordwestlichen Regionen machten, und dieHäfen von Sluys und Damme den großen Waarenumtauschvermittelten, welchen nachmals Antwerpen an sich zog. Aberder Verkehr blieb blühend, während die Niederlande, nachmanchen Wechseln, unter dem mächtigen und thätigen Hauseder burgundischen Herzoge vom Geschlecht der Valois ver-einigt, ihre Glanzzeit erlebten.

Gleich den Venetianern, deren Galeeren, welche den Ver-kehr mit England bewerkstelligend, noch die alten Bahneneinhielten, setzten die slorentiner Bankhalter und Kausleute ihreOperationen in Brügge fort. Wir finden in der zweitenHälfte des 15. Jahrhunderts neben den Medici und Strozzidie Martelli, Sassetti, Sermattei, Carnesecchi u. a. unter denslorentinischen Handelshäusern genannt. Daß sie nicht immerErfolg hatten, zeigt die große Verlegenheit, in welche die Me-diceische Bank, unter Leitung Tommaso Portinari's, von derdurch Dante's Beatrice berühmt gewordenen Familie, in den

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