Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 75
für Deine Gesundheit sorgest und die Geschäfte der Genossen-schaft etwas beiseite lassest. Du solltest auch etwas Arznei,aber leichte nehmen, und freie Lust genießen, wenn's irgendwieangeht, und denken daß Deine Person Dir doch näher steht alsdie Habe. Denn siehe, Alles müssen wir zurücklassen. Undich, Mutter voller Schmerzen, was soll ich machen ohne euch?Was hilft's mir wenn ich höre, ihr sammelt Reichthümer, wäh-rend ihr dafür mit Mühen und Sorgen euren Leib kasteiet?Es schmerzt mich, mein Sohn, nicht bei Dir zu sein um Dirmanche Mühseligkeit abzunehmen, was Dir noththäte. Dumußtest mir am ersten Tage, als Matteo erkrankte, sagen wiedie Sache stand; ich wäre zu Pferde gestiegen und in wenigenTagen dort gewesen. Ich weiß, du hast es nicht gethan, aufdaß ich mich nicht den Beschwerden aussetzte und erkrankte.Aber ich bin jetzt kranker in meinem Innern als mein Leibes gewesen wäre. Doch Gott sei gelobt für das was Er giebtund nimmt. Ich habe vernommen, wie Du dem HingeschiedenenEhre erzeigt, und Du hast umsomehr recht gethan, da eshier nicht üblich ist Solchen, die sich in eurer Lage befinden,Ehre zu erweisen. (Das Gesetz verbot die Leichenfeier fürVerbannte!) So ist es mir um so lieber, daß Du dort allesangeordnet hast."
„Auf den Todesfall", schrieb sie am 2. November an Lo-renzo, „wollen wir nicht wieder zurückkommen, da es keineHilfe dagegen giebt. Große Bitterkeit ist mir bereitet wordenund sie wird bleiben bis zu meinem Ende, umsomehr weilich nicht zugegen war, ihm Trost und Beistand zu spenden.Dies schmerzt mich tief, obgleich ich weiß daß nichts ihm ab-ging. Wo wir jedoch nichts ändern können, müssen wir unsin Demuth ergeben; Gott weiß was unfern Seelen frommt.Fasse nun Du Dich in Geduld und bete für ihn. Seien wirandern Leides gewärtig, denn Gott trifft uns und die Leutedieser Welt thun es auch. Auf alles muß man gefaßt seinund es im Frieden ertragen."
Sie schrieb in prophetischem Geiste. Während dieses herbenLeids wurde die arme Frau aus andere Weise gequält, sodaß