Druckschrift 
Kleine historische Schriften
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Eine florentmische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 67

So gewann die arme Mutter ein paar Monate, bevorsie sich von dem jüngsten, einem wahren Sohne der Schmerzen,trennte, den sie nicht Wiedersehen sollte. In Florenz und derUmgebung herrschte eine der ansteckenden Krankheiten, wie siein jenen Tagen und noch weit später so häufig und unter demgenerellen Namen der Pest bekannt, vom Volke auch woleinfach das Sterben, la Moria genannt wurden. Die vielenkleinen Kriege, welche so viel Elend bereiteten und mit denendlosen Belagerungen der zahllosen befestigten Orte das Landöde ließen, der Mangel an Polizei wie die Unreinlichkeit undschlechte Nahrung des niedern Volkes, endlich die geringeSorgfalt beim Levante-Verkehr ließen diese schleichenden Krank-heiten kaum jemals wirklich aussterben. Gab es keine somenschenraubenden Epidemien, wie vor hundert Jahren derSchwarze Tod gewesen war, so schleppte das Übel sich weitlänger hin und ließ nicht zur Ruhe kommen. Die Ver-heerungen, welche Italien während der großen Kämpfe derzwanziger Jahre des folgenden Jahrhunderts in Rom, vorNeapel und Florenz erlebte, sind das Nachspiel jener Seuchen,welche beinahe in jedem Sommer bald hier bald dort er-schienen und Schrecken verbreiteten. Die Briefe Alessandra'ssind voll davon, und oft verzeichnet sie die Zahl der Sterbe-fälle. Sie verließ die Stadt um sich nach ihrem benachbartenkleinen Landbesitz Quaracchi zu begeben; in der heißen Jahres-zeit doppelt seltsame Wahl eines in ungesunder Niederungliegenden, durch seinen schlechten Wein nicht empfohlenen Ortes,der denn auch schlimme Früchte für sie trug. Ihr Bruderließ sie nach seiner östlich von der Stadt gelegenen Villabringen, wo sie in der gesunden Luft der anmutigen Hügelvon Antella und sorgsamer Pflege genas.

Unterdessen starb in Barcelona der ältere Filippo, wasseine beiden Brüder, Niccolo und Jacopo, zu dem Entschlußveranlaßte in gedachter Stadt zusammenzukommen, um ihregemeinschaftlichen Interessen zu ordnen. Niccolö gedachte unter-wegs in Florenz einzukehren, und den Knaben Matteo mit-zunehmen. Als er zu Neujahr 1450 in Rom angelangt war,