VI.
Die Mutter ;u Hause, die Söhne in der Fremde.
Freude und Leid.
Wie wir sahen, war Matteo bei der Mutter zurück-geblieben. Mit der jüngern Tochter weilte er noch eine Zeitlang bei ihr im Hause, ihr Trost und ihre Freude. Ihmdictirte sie wol ihre Briefe; „er schreibt", meldete sie demältesten, „ eine schöne Hand wenn er sich Zeit nimmt; geht esjedoch zu rasch, so erkennt man seine Schrift nicht mehr." Sieempfahl Filippo, in seinen Briefen den Kleinen zu sorgfältigemSchreiben anzuhalten. Im Februar 1449 drangen die Ver-wandten in sie, den Knaben ziehn zu lassen; es sei das einzigeMittel, Kenntnisse und Erfahrung zu gewinnen. Der Entschlußward ihr schwer; das Mutterherz kämpfte mit dem Wunsche,für das Fortkommen des Sohnes das Mögliche zu thun.
„Ich bin bereit", schrieb sie nach längerm Zögern an Fi-lippo am 13. Juli, „mich dem Willen Niccolü's und demDeinen zu fügen, da Ihr ein so lebendiges Verlangen an denTag legt, aus dem Knaben etwas zu machen. Nicht meinenTrost habe ich vor Augen, sondern euer Bestes, wie ich immergethan und bis an mein Ende zu thun fortsahren werde.Stelle Dir vor wie hart es für mich ist, die ich noch jungmit fünf unmündigen Kindern Witwe wurde, für deren Fort-kommen ich zu sorgen hatte. Dieser Matteo war zur Zeitnoch nicht geboren, und ich habe ihn erzogen, im Glauben nurder Tod werde mich von ihm scheiden, indem mir schien, es
v. Reumont, Kl. hist. Schriften. 5