Eine florentinische Edelfrau nn 15. Jahrhundert. 39
Strozzi von anderer Linie. Mit Francesco Filelfo, LeonardoBruni von Arezzo, Leonardo Dati Bischof von Massa und an-deren Gelehrten stand er in Verbindung, erwarb Handschriften,theilte sie denen mit die gleich ihm den Studien oblagen. Erbesaß eine auf einem Pergamentbogen gezeichnete Karte vonItalien, welche ein treffliches Werk gewesen zu sein scheint, dasie, zu fünfundzwanzig Goldgulden geschätzt, nach seinem Todeeinem Verwandten geliehen, von diesem dem Könige Alfons vonAragon geschenkt wurde. Manche lateinische Briefe sind uns vonihm erhalten. Ein Sicilianer, Luca di Guido, Lehrer an derBologneser Hochschule, hatte ihm das dem Lactantius Firmia-nus zugeschriebene, in Straßburg entdeckte Gedicht „Phönix"gesandt. „Die Verse sind schön", antwortete Matteo, „abervon Lactantius sind sie nicht." Bis auf den heutigen Tagbleibt die Frage unerledigt. Er hatte die Zwanzig nicht vielüberschritten, als ihm der Gedanke kam, auf dem Hügel vonFiesole eine ruhige Stätte zu suchen, um sich ganz den Stu-dien zu widmen, fern vom Geräusche der Stadt, in derenMauern gerade damals die Leidenschaften laut waren, unddas Parteiwesen, welches den Palast der Signorie und dieVersammlungsorte der Magistrate und Consilien mit Lärmerfüllte, selbst die Stille der Klosterräume illusorisch machte.Der Gedanke war nicht neu; früher wie später haben dieseanmutigen Höhen, im Sommer wie im Winter bewohnbar,solche ausgenommen, die sich, ohne der Stadt und ihren Hilfs-mitteln fern zu sein, der unmittelbaren störenden Einwirkungdes täglichen Treibens zu entziehen wünschten. Aber es warMatteo Strozzi nicht beschieden, seine Tage in solcher Ruhezu verbringen. Er sollte das Glück des Familienlebens kosten,aber auch dessen Sorgen und Mühen; er sollte im eigenenHause heimgesucht werden von den Wechselfällen und denLeidenschaften der politischen Factionen, denen fern zu bleibenseine Absicht gewesen war und für die er in der That nichtgeschaffen gewesen zu sein scheint.
Er war fünfundzwanzig Jahre alt, als er die kaum sech-zehnjährige Alessandra, Tochter des Filippo Macinghi heim-