Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 11
verdrängte. Die Unterhaltung aber umfaßte alles Erdenkliche,Altes wie Neues, alte Geschichte, Mythologie, Philosophie,Literatur, neuere namentlich einheimische Historien, scholastischePhilosophie, Werke und Bemühungen der Dichter des Jahr-hunderts. Es war ein bunter Kreis der sich hier bildete, dieverschiedenen Lebensalter und Berufe waren vertreten, zu Ein-heimischen gesellten sich solche, die zeitweilig in Florenz weilten.Da sah man Coluccio Salutati, den gelehrten und hochsinnigenKanzler der Republik, der mit gleichem Eifer humanistischeStudien trieb und die politischen Interessen des Gemeinwesensgegen die anwachsende Macht der mailändischen Visconti ver-focht, und Luigi Marsili, den kenntnisreichen und thätigen Augu-stinermönch, einst in befreundeten Beziehungen zu Petrarca undBoccaccio, bei welchem sich in dem Kloster Sto Spirito die-jenigen versammelten, die an den wissenschaftlichen Fragen An-theil nahmen, wie nachmals im Camaldulenserkloster der Angeli.Da waren Antonio Pucci, dessen Dichtungen, ernste wie heitere,wenn sie keinen großen Poeten verraten, uns Zeit, Menschen,Sitte kennen lehren, und Francesco Landini von Prato, derBlinde, Großohm des berühmten Dante-Erklärers des 15.Jahrhunderts, in der Musik gleich erfahren wie in Philosophieund Dialektik. Neben Florentinern, Männern wie Frauenaus edlen Familien, sah man da die Söhne anderer TheileItaliens, die im Glück wie Unglück am Arno weilten. LodovicoBuzzacarini von Padua, verwandt mit dem die Stadt be-herrschenden Geschlecht der Carraresen, in deren Sturz er ver-wickelt ward, und Andreolo Dandolo, dessen Vaterstadt nichtgenannt zu werden braucht, Marsilio di Sta Sofia von Padua,Naturforscher und Arzt, und Biagio Pelacani von Parma,welcher Astrologie und Philosophie an mehren Hochschulenlehrte, der eine wie der andere Meister des abstrusen Wissens,wobei Spekulation und Naturbeobachtung einander mehr zubehindern als auszuklären schienen.
In dem Jahrhundert welches auf die Zeit dieser zwanglosengeselligen Unterhaltung folgte, hat Leon Batista Alberti dieVorzüge des Villenlebens mit lebendigen Farben geschildert.