8. Der Ausfall der Franzosen am 25. Juni 1669.
177
Auch ohne den unglücklichen Zufall der Explosion würden sie hierbei demAngriff der in verstärkter Anzahl zurückkehrenden Türken sicherlich unterlegensein. Ihre Zahl war überhaupt zu gering, um einen dauernden Erfolg ge-währleisten zu können, weshalb ja auch der erfahrene Morosini gewünschthatte, die Ankunft der Galeeren abzuwarten. Allein die Sucht, den er-warteten Ruhm nicht mit Anderen theilen zu müssen, vielleicht auch die Ab-neigung des Französischen Führers, von dem Venezianer Belehrungen undRathschläge anzunehmen, hatten ihn bestimmt, auf seinem Wunsch eines so-fortigen Ausfalles zu bestehen.*)
Andererseits muß zugegeben werden, daß ein mit ausreichenden Kräftenunternommener Ausfall der Venezianer bei S. Andrea die Aufgabe derFranzosen sehr erleichtert haben würde, und daß Morosini sich seine Sacheallzu leicht gemacht hat, als er den Franzosen die Sorge für das Gelingender Unternehmung bei Sabionera allein überließ.
Leider verursachten diese Verhältnisse nicht nur ernstliche Zerwürfnissezwischen den Führern der Franzosen und Venezianer, sondern auch häufigblutige Streitigkeiten unter den Offizieren und Soldaten. Anstatt sich gegen-seitig nach Kräften zu unterstützen, betrachteten sich beide Theile mit unver-hohlenem Mißtrauen, und in der Brust des Herzogs von Noailles mag,schon damals der Entschluß gereift sein, sobald wie möglich ans dem Hexen-kessel von Candia zu entkommen, — ein Entschluß, dessen Ausführung wenigeMonate später den Fall der Festung herbeiführte.
Die Verluste der Franzosen bei dem Ausfall vom 25. Juni an Tobtenund Verwundeten betrugen im Ganzen 245 Offiziere**) und etwa 560 Mann-schaften, darunter die der Garden allein 11 Offiziere und 102 Mann. DieTürken sollen gegen 1200 Leute verloren haben.
*) I. B. Scheither urtheilt über diese Angelegenheit folgendermaßen: „ . . . Dadann die Franzen ihrer angeborenen Hitze nach nicht so lange konnten Gedult tragen, daßdarüber (den Ausfall) ein beständiger Schluß gemachet und dasselbe, was geresolviretworden, durch Beystand der gantzen Ouarnlson hette können oxs^ulret werden, sondernsie haben gantz allein die Ehr haben wollen, daß durch sie diese nunmehr in letzten Zügenliegende Stadt von ihrem Feind were befreyet worden; so gar, daß sie auch uns, diearmen Deutschen, hochmütig der Zag- und Trägheit beschuldigten, worgegen man ihnennichts anders sagen könne, als daß man erst sehen müsse, was sie ausrichten würden:weil sie den Fdind noch nicht recht kenneten, vielleicht möchten sie es hernechst besser Kaufsgeben, wie denn auch geschehen . . . Die Franzen sind hierauf gantz kleinlaut geworden,haben die Pfeiffen eingezogen und angefangen, viel von den Deutschen und dieselben vorihre besten Kameraden zu halten . . ."
**) In dieser Zahl sind die reformirten Offiziere und die Musketiere des Königs,die Offiziersrang hatten, mit einbegriffen. 80 Offiziere waren im Ganzen todt, darunterder Brigadier der Garden Castellan und dis Kommandeurs der Regimenter Rozan,Lorraine uno Lignisres.
KriegSgcschichtliche Eiuzclschristen. V. (Hest 26.)
5