Sieben und zwanzigster Brief. Z
Zweifel zu entscheiden; aber wen konnten dieAstronomen fragen, ob die Sonne um die Erdelaufe, oder diese um jene?
Aber werden Sie fragen, woran erkenneich denn die Richtigkeit einer Hypothese, undwie kann ich sicher sein, daß sie nach neun undneunzig Uebereinstimmungcn mit der Wahrheitnicht doch an der hundertsten Erscheinung schei-tert, und sich als unrichtig zeigt? — So schwerdie Beantwortung dieser Frage im Einzelnensein mag, so läßt sich doch folgendes Allgemeinedarüber sagen. Eine Hypothese muß nicht nurmit keiner der Erscheinungen in auffallendemWiderspruche stehen, sondern die Erklärung derErscheinungen muß sich auch leicht und unge-zwungen, gleichsam von selbst aus der Hypotheseergeben. Die Natur ist in allen ihren Wirkun-gen einfach, und deswegen muß auch die Erklä-rung der Erscheinungen einfach und ungekünsteltsein; eine Hypothese, die bei jeder Erscheinungbesondre Voraussetzungen nöthig hat, um siezu erklären, verdient niemals Zutrauen. Ebendiese Einfachheit, die wir in den Gesetzen derNatur überall finden, und die der Mensch gleich-sam von der Natur fordert, weil es ihm scheint,