243 Geschichte der preußischen Monarchie.
Veränderung. In diesem Zeiträume ward der Staat nichtmehr, wie sonst, als ein Familiengut betrachtet, dasman verpfänden, veräußern und unter die Söhne derregierenden Dynastie t heilen könnte; das Interesse der Aus-stattung nachgcbohrnrr Fürstensöhne ward als unvereinbarmit dem Hähern Begriffe des Staatslcbens anerkannt, unddas Recht der Erstgeburt begründet. Groß war derEinfluß dieses politischen Grundsatzes auf die innere Einheitdes Staarslcbens, und auf die Stellung der nun nicht mehrgetheilten Staaten gegen das Ausland. Für den inrrernHaushalt der Staaten ward nun dadurch., eben so, wie fürdie auswärtigen Verhältnisse ein festes Systemvermittelt, das im Innern durch Begründung der hohemStaatsbehörden, und bald darauf nach außen durch ste-hende Gesandtschaften, durch umsichtig berechnete Unterhand,lungen und durch Abschließung von Vertragen seine be«stimmten Formen erhielt. Im Innern gewannen durchdie zweckmäßige Organisation der Verwaltung die unabhängi-ge Gerechrigkeitspflege, die allmahlig aus ihrer Kindheit her-vertretende Polizei, die bestimmtere — nur freilich nochnicht nach nationalökonomifchen Grundsätzen durchgeführte —Einrichtung der Finanzen, und die Bildung der stehendenHeere, an welche man sich wahrend der Dauer des dreißig-jährigen Krieges gewöhnt hatte. Für die auswärtigenVerhältnisse ward die Kenntniß des positiven europäischenVölkerrechts unentbehrlich, das sich seit den Zeiten Maxim»,lians und Karls L auszubilden ansing; doch bewirkte der.kühne politische Tact einzelner Regenten und ein diplomati-sches Wagestück oft größere Veränderungen, als der lang-same Gang der Unterhandlungen. Die einzelnen teutschmStaaten, im Besitze der Territorial Hoheit, welche-— nach langer Praxis — der wcstphälische Friede endlichgesetzlich bestätigte, lernten in dieser Zeit sich als Mach-te betrachten, wodurch ihr Zusammenhang mit der schon da-mals allmahlig veraltenden Form des teutschm Reiches,und mit dein, durch sorgfältig berechnete Wahlcapitulationensehr beschränkten, Obcrhaupte des Reiches immer schwächer