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C. Die Werther-Literatur.
„Werther“ bei seinem Erscheinen in Deutschlandhatte keineswegs, wie man ihm vorwarf, eine Krankheit,ein Fieber erregt, sondern nur das Uebel aufgedeckt, dasin jungen Gemtithern verborgen lag . . . Ich hatte michpersönlich von diesem Uebel zu befreien gesucht undtrachtete, nach meiner Ueberzeugung, Andern hilfreichzu sein; das aber war sch-werer, als man denken konnte;denn eigentlich kam es darauf an, einem Jeden gegensich selbst beizustehen, wo denn von aller Hilfe, wie sieuns die äufsere Welt anbietet, es sei Erkenntnifs, Be-lehrung, Beschäftigung, Begünstigung, die Rede garnichtsein konnte. Goethe.
236 Frankfurter / gelehrte / Anzeigen. // vom Jahr 1772.
(Vignette.) ,// Frankfurt am Mayn / bey den Eichen-bergischen Erben. — 832 S. kl. 8°.
Aufgeschlagen Recension Goethes: „Gedichte von einem
Polnischen Juden“ .... „Aber dann, o Genius! dass offenbarwerde, nicht Fläche, Weichheit des Herzens sei an seiner Un-bestimmtheit schuld; lass ihn ein Mädchen finden, seiner werth.
Wenn ihn heiligere Gefühle aus dem Geschwirre der Gesell-schaft in die Einsamkeit leiten, lass ihn auf seiner Wallfahrtein Mädchen entdecken, deren Seele ganz Güte, zugleich miteiner Gestalt ganz Anmuth, sich in stillem Familienkreis häus-licher thätiger Liebe glücklich entfaltet hat. Die Liebling,Freundin, Beystand ihrer Mutter, die zweyte Mutter ihres Hausesist, deren stets liebwürkende Seele jedes Herz unwiderstehlichan sich reisst, zu der Dichter und Weise willig in die Schulegiengen, mit Entzücken schauten eingeborne Tugend, mit-gebornen Wohlstand und Grazie. — Ja, wenn sie in Stundeneinsamer Ruhe fühlt, dass ihr bey all dem Liebeverbreiten nochetwas fehlt, ein Herz, das jung und warm wie sie, mit ihr nachfernem verhülltem Seligkeiten dieser Welt ahndete, in dessenbelebender Gesellschaft, sie nach all den goldnen Aussichtenvon ewigem Beysammenseyn, daurender Vereinigung, unsterblichwebender Liebe fest angeschlossen hinstrebte.
Lass die Beyden sich finden, beym ersten Nahen werden siedunkel und mächtig ahnden, was Jedes für einen Inbegriff vonGlückseeligkeit in dem andern ergreift, werden nimmer voneinander lassen. Und dann lall er ahnend, und hoffend undgeniessend:
„Was doch keiner mit Worten ausspricht, keiner mit„Thränen, und keiner mit dem verweilenden vollen„Blick, und der Seele drinn.“
Wahrheit wird in seinen Liedern seyn, und lebendige Schön-heit, nicht bunte Seiffenblasenideale, wie sie in hundert deutschenGesängen herum wallen.“ Kgl. Universitäts-Bibliothek, Bonn.
Goethes „Leiden des jungen Werthers“.
Echte Ausgaben.
237 Die Leiden j des j jungen Werthers. // Erster Theil.
(Drucker - Signet.) —• Zweyter Theil. (Vignette.) //