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Die gegenwärtige Lage der Cretinen, Blödsinnigen und Idioten in den christlichen Ländern : ein Noth- und Hülferuf für die Verlassensten unter den Elenden an die deutsche Nation
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Würtemberg. Sollte für die andern, deren 79mal mehr waren,gar nichts geschehen? Aerzte, Geistliche, Lehrer, Laien und Obrig-keit sahen, wie Tausende solcher unglücklichen Kinder im Landeschmachteten und im eigentlichen Sinne des Wortes „verthier-teu", wofern nicht Hülse erschien. Die Zeiten waren schwere;denn es war im Jahre 1848. Aber mitten unter den weltlichen,wüsten Bestrebungen dieses Jahres, mitten unter dem Jagennach einer politischen, zügellosen Freiheit, da verbanden sicheinige Männer, um nach Kräften etlichen vom Blödsinn undKretinismus gebundenen Kindern unter Gottes Beistand zurgeistigen Freiheit zu verhelfen. So entstand die Anstalt vonRieth. Sie trat nicht nur in jener schwierigen Zeit, sondernauch ohne einen Kreuzer Fonds in's Leben. Sie mußte sogarmit Schulden ihren Anfang machen; alle Mobilargegenstände,Betten, Schreinwerk, selbst Nahrungsmittel wurden größten-theils auf Credit angeschafft. Ihr Lokal war gemiethet. „Diesgeschah", sagt Dr. Müller, der ärztliche Leiter der Anstalt,„wahrlich nicht im Vertäuen auf Menschen, sondern die Anstaltwagte es in guter Zuversicht auf Gott und seine großen, niewankenden Verheißungen, sowie auf seinen Befehl, zu wirken,so lange es Tag ist." Die Stifter sind in ihrem Vertrauennicht zu Schanden geworden. Schon im ersten Jahre bildetensich Vereine zu ihrer Unterstützung, wie in Leonberg und meh-reren Orten dieses Oberamtes, in Cannstatt, Ulm, Zabergäu,auch einzelne Wohlthäter haben sie mit Liebe unterstützt. DerKönig hat zwei Kinder auf seine Kosten aufnehmen lassen.Aber dieser und noch größerer Hülfe bedarf diese Anstalt auchbesonders, da sie vorzugsweise darauf berechnet ist, der ärmerenVolksklasse helfend entgegen zu kommen. Darum beträgt dasjährliche Pflegegeld für die armen auch nur 40 fl.; bei nochärmeren 36, 30, 20, 10 fl. Rieth liegt in einersehr gesundenGegend, im Oberamt Vaihingen, eine Stunde von dieserStadt, etwas weiter von Leonberg, am Strudelbach in einemlieblichen Thale. Die Anstalt selbst lag am Ende des Ortesin dem gräflich von Reischach'schen Schlosse, von allen Seitenweithin frei.