85
Haldenwang mit großer Uneigennützigkeit und Selbstaufopfe-rung die Anstalt 12 Jahre lang geleitet. In einem zusammen-fassenden Berichte eines Arztes über die Früchte feiner saurenArbeit heißt es: „Schwachsinnige geringer» Grades, welche unterden gewöhnlichen Verhältnissen nicht erzogen werden konnten, wur-den dort, trotz der ungünstigen Verhältnisse der Gegend, in der,wie im ganzen Nagoldthale, Kropf und Kretinismus endemischsind, zweckmäßig unterrichtet, so daß jährlich mehrere confirmirtwerden konnten."
Als indessen 1847 eine andere, günstiger gelegene Anstaltin'ö Leben trat, hatte Haldenwang erreicht, was er wollte,und löste die seinige auf, indem er 10 Kinder der neuen An-stalt übergab. Es war dieses:
2) Die Heil-Anstalt Mariabcrg.
Schon 1838 hatte der bereits erwähnte I)r. Rösch der Re-gierung außer vielen andern ärztlich-polizeilichen Maßregelngegen den Kretinismus die Errichtung einer Heil- undErziehungsanstalt für blödsinnige Kinder an's Herzgelegt. Die nächste Folge war die bereits erwähnte, im Jahr1841 vorgenommene örtliche und statistische Untersuchung desLeidens. Als durch diese das obige, furchtbare Resultat zurKenntniß der Obrigkeit und Kirche kam, wurden beide auf'säußerste bestürzt. Der begleitende Bericht des Or. Röschmachte den Eindruck der Thatsachen noch tiefer. Und wer möchteauch das Herz verschließen, wenn er folgende Worte liest:
„Gibt es für den Menschen, der sich Herr der Schöpfungnennt, einen entsetzlicheren Gedanken, als Ausartung seinesGeschlechts? Was ist jede Krankheit, was sind Seuchen, wiejene schreckliche, von Thucydides beschriebene Pest der Athener,der schwarze Tod, der die Hälfte der Bevölkerung von Europazum Opfer genommen hat, das heilige Feuer des Mittelalters,welches die Glieder der Ergriffenen durch scheußlichen Brandzerstörte, der schreckliche Aussatz, der eben damals die europäischenKrankenhäuser mit seinen unglücklichen Schlachtopfern füllte,die Pocken, die gefürchtete Cholera, die orientalische Bubonen-