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Die gegenwärtige Lage der Cretinen, Blödsinnigen und Idioten in den christlichen Ländern : ein Noth- und Hülferuf für die Verlassensten unter den Elenden an die deutsche Nation
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In Tirol und Salzburg ist das Leiden ebenso verbrei-tet; aber alle genaueren Angaben fehlen. Im Pinzgau inSalzburg erstaunte der schon früher genannte Eichwald überdie Menge der Cretinen, deren er fast in jedem Hause sah.Sie werden dort Lappen oder Feren genannt. Die Kröpfesind dort so allgemein, daß man nur wenige Menschen sieht,die ihn nicht haben. Die anatomische Sammlung des Johannes-spitales in Salzburg zeigt mancherlei Präparate von Cre-tinen des höchsten Grades, deren furchtbare Beschreibung manbei Eichwald Nachlesen kann. Werden diese Skelette, diese inWeingeist aufbewahrten Häupter der Cretinen Oesterreich nichtendlich aus dem Schlummer wachrufen? sind sie nicht, so langedergleichen Cretinen noch immer lebendig, und ohne alle Hülsein ihrem Elende daliegen, die Monumente furchtbarster Lieb-losigkeit der Zeitgeuossen?

Noch ist zu bemerken, daß es, besonders in Kärnthen undSteyermark, in sonst ziemlich gesunden Gegenden einzelne Häusergibt, die Pflanzstätten des Cretinismus sind. Das Volk nenntsolche Häuser „Tosteuhuben", und weiß, daß gesund geboreneKinder ganzer Familien darin ansarten. Wenn ein HanSbaufällig ist, und das Leben seiner Bewohner bedroht, so mußes auf Polizeibefehl niedergerissen werden. Sind denn solche„Tosteuhuben" weniger gefährlich für das Leben ihrer Bewoh-ner? Sollte die Sanitätspolizei sich nicht um dieselben kümmern?Zehn neue Häuser zu bauen, würde dem Staat nicht so vielkosten, als wenn er die elenden Personen jener Häuser inSpitälern verpflegen, und ihrer Kräfte und Dienste ganz ver-lustig werden muß.

Eine der vielen Ursachen des zahlreichen Cretinismus inden genannten Ländern ist, wie die Aerzte sagen, der Genußdes Branntweins. Nicht nur sind die Eltern selbst Trinker,sondern in vielen Gegenden, besonders in Steyermark, reichendie Eltern der ärmeren Klasse, che sie auf die Arbeit gehen,den Kindern Branntwein, damit dieselben bis zu ihrer Rückkehrschlafen, und den Hunger vergessen.

„Die Mutter", sagt Köstl, „nimmt das säugende Kind auchmit auf Tanz und Schmaus, und von Tanz und Wein erhitzt,