Flußlinie von 30 Meilen beobachten, und soweit dies thunlich,auch vertheidigen sollte. Die Lage des preußischen Korps wareine so ungewöhnliche, daß sich wohl schwerlich etwas Aehnlicheswiederholen dürfte. Auch in Bezug auf die moralische Beschaf-fenheit der Truppen war sie ganz eigenthümlich. Die Führerwaren meist tüchtig, und besonders die jüngern Offiziere voll destrefflichsten Willens, aber die Meisten verzweifelten an der Mög-lichkeit einer glücklichen Wendung des Krieges. Von den Gemei-nen waren die Ausländern ziemlich unzuverlässig, die zahlreichenMannschaften aus den polnischen Kantons noch schlimmer alsFeinde, denn sie desertirten von den Feldwachen und verließen ihreFahnen im Gefecht. Nur aus die Inländer der alten Provinzenkonnte man mit Zuversicht zählen, doch waren auch sie durch dasanhaltende Unglück aufs Tiefste erschüttert. —
Nachdem im Obigen die Aufstellung der Russen und Preu-ßen an der Weichsel in ihren Details bezeichnet worden ist, möchtees in der Ordnung sein, zu sehen, in wie weit dieselbe in dieserWeise zu rechtfertigen ist.
Man konnte russischer Seits nach den Nachrichten, die manvon den Bewegungen der Franzosen schon durch die öffentlichenBlätter erhielt, leicht entnehmen, daß man bis Anfang Dezembers,also bis zur möglichen Verstärkung durch den General Burhöw-den aus die Macht von über 100,000 Mann, nur mit einemTheil der französischen Streitkräste zu thun erhalten würde; mankonnte aus der Erfahrung wissen, daß die Weichsel für gewöhn-lich nicht vor Mitte Dezembers dergestalt zum Stehen kommt, daßsie von allen Waffen auf dem Eise zu überschreiten ist, und daß,wenn die Gefrierung Antritt, einige Tage vergehen, während wel-cher der Strom weder zu Wasser noch zu Eise von Truppenmas-sen überschritten werden kann, so daß man die Zeit zu neuenAnordnungen erübrigte. Es schien somit fürs Erste russischerSeits daraus anzukommen, die Zeit bis zur Vereinigung mit demGeneral Burhöwden in einer Haltung zu verbringen, durch welcheman so wenig Terrain als möglich verlor, den Ausstand in Süd-preußen so lange als thunlich unterdrückte, in engster Verbindungmit den Preußen blieb, ja das rechte Weichselufer so lange be-