209
preußische Armee vor Anfang Novembers den Krieg nicht beginnenkönne. Diese Nachrichten, die aller Wahrheit entbehrten, ließenden Wunsch in dem Herzog aufkommen, den Krieg, wenn esirgend möglich, noch vermieden zu sehen. Er übersah nur zuklar, und mehr als irgend Jemand, die Kräfte und den Zustandder preußischen Armee im Verhältniß zur französischen, und wieder König wohl habe den Krieg anfangen, ihn aber, lediglich aufdie eigenen Kräfte beschränkt, nicht werde glücklich durchführenkönnen. Somit den üblen Ausgang des Krieges vor Augenhabend, schien ihm natürlich nur der eine Ausweg übrig, daß derKrieg überhaupt vermieden werde; doch wenn dies nicht möglich,woran er nunmehr selbst stark zweifelte, lag es auch in der Weisedes Herzogs, die Gegenwart des Königs zu benutzen, um dieeigene Person der großen Verantwortung für den Ausgang desKrieges zu entziehen, und statt die den Umständen angemessenenEntschlüsse zu fassen, wie es dem Ober-Befehlshaber zustand, voneinem Kriegsrathe, in welchem zuletzt der König die Entscheidunggeben mußte, die Bestimmung über das weitere Thun und Lassenzu erhalten.
Der Fürst Hohenlohe war bereits am 4. Oktober mit demObersten Mafsenbach von Jena nach Erfurt gekommen. DerOberst setzte schon Vormittags dem Vortragenden General-Adju-tanten des Königs, dem Obersten Kleist, und dem Major Rauch,welche in aller Frühe in Erfurt eingetroffen waren, seine Ansich-ten über die weiteren Operationen der Armee auseinander, underhielt die Zustimmung beider Offiziere, so daß der Major Rauchzur weiteren Benutzung das zu Papier brachte, was von demObersten Massenbach vorgetragen worden war. Da der GeneralRüchel erst am folgenden Tage zu erwarten war, so lud derHerzog von Braunschweig für den Abend des 4. zu einer vorbe-reitenden Berathschlagung ein. Es traten dabei zusammen: derGeneral Phull, der Oberst Kleist, Oberst Scharnhorst, OberstMassenbach, der Adjutant des Herzogs, Oberst Kleist, der MajorRauch und Hauptmann Müffling. Der Herzog hatte augen-Ichcinlich die Idee der Offensive aufgegeben, äußerte sich indessennicht darüber, befragte aber den Obersten Massenbach über seine
I. 14