sein konnte, wenn man wie er, auch jederzeit in letzter Instanzbereit war, Lilles mit den Massen in der Hand zu vertreten, daßman aber, wenn hierzu Kraft und Vertrauen fehlten, jene Politikfallen lassen mußte. Ein offenes und ehrliches Verhalten nachAußen, neben unausgesetzter Aufmerksamkeit auf das Heer undgroßer Sparsamkeit in der Verwaltung, um keinen Krieg scheuenzu dürfen, mußten an die Stelle treten und allmälig die künstlicheStellung des Staates in eine mehr natürliche verwandeln, soweit dies überhaupt möglich war.
Der ritterlichen Gesinnung König Friedrich Wilhelm 11.würde eine solche ehrliche, gerade Politik ganz zugesagt haben;doch wenn er den Krieg 1792 ganz offenbar mit dem redlichenWillen begann, dem Könige von Frankreich zu seinem Rechte zuverhelfen, die französische Revolution mit einem Schlage mederzu-werfen, so legte dagegen das königliche Kabinet, und in dessenSinne der Herzog von Braunschweig als Führer der Armee, demKriege schon weitere Beweggründe unter, die aus die Kriegfüh-rung selbst wesentlich einwirken mußten. Der König sah sich indem Erfolge des begonnenen Kampfes getäuscht, und bei dengleichzeitig statt gehabten kriegerischen Bewegungen in Polen er-kannte man, besonders nach Einstellung der Subsidienzahlung vonSeiten Englands, nur zu deutlich, daß die Mittel des Staatesnicht zureichten, um einen Krieg zu führen, der nicht nach weni-gen großen Schlägen endete, oder in sich selber die Mittel zurErnährung fand, wie ihn König Friedrich II. sieben Jahre zuführen verstanden hatte.
Mit dieser Erkenntniß trat ein Wendepunkt in der preußi-schen Politik ein. So freudig der König in Verbindung mit demKaiser in den Krieg eingegangen war, so glaubte man doch beider eingetretenen Geldnoth um so mehr alle Rücksichten auf Kaiserund Reich schweigen lassen zu müssen, als die Verhandlungenüber die Theilung Polens eine Mißstimmung gegen Oestreich her-vorgerufen hatten. Man schloß mit Frankreich den Separat-Frieden zu Basel am 5. April 1795, und obgleich der Krieg keines-wegs unglücklich geführt worden war, so verstand man sich dennoch