daher vorzugsweise die vielen auf den Wällen stehenden unbrauch-baren Geschützrohre durch englische, indem man diesen die altenLafseten anpaßte, so gut es gehen wollte und auch wohl wie-derum zu Blockschienen die Zuflucht nahm. Zur Herstellung neuerLafseten fehlte eS an Holz, an Kohlen, an geübten Arbeitern.Alle Stellmacher, Schlosser und Schmiede der Garnison und Bür-gerschaft wurden zur Instandsetzung der Festungs-Artillerie in An-spruch genommen und leisteten willig und unverdrossen, was manihnen zumuthete- Ein Schmidt versuchte es sogar, bei dem an-fänglich fühlbaren Mangel an leichtem Geschütz, einen eisernen4 Pfänder zu schmieden, für welches Kaliber man einen sehr gro-ßen Norrath von Kugeln besaß. Das Rohr war aus Stäbenund Ringen zusammengesetzt, dann so gut als möglich gebohrtworden und hielt die Probe aus. Das Eintreffen des englischenGeschützes machten diese Arbeit überflüssig.
Die Artilleristen auf den Außenpostcn wurden mit englischenGewehren und Säbeln bewaffnet.
Am 20. April erschien aus der Rhede von Kolberg die schwe-dische Fregatte „der Fährmann" unter dem Major Follin zurUnterstützung der Festung. Sie führte 2 — 36- und 26—24-pfündige Kanonen und 18—24pfündige Karonaden, oder 46 Ge-schütze. Leider ging das Schiff 20 ^ tief, so daß es sich nur beigünstigem Winde und mit großer Vorsicht dem Strande nähernkonnte, aber immerhin war sein Auftreten ein sehr willkommenes,da die 36- und 24pfündigen Kanonen eine ganz außerordentlicheSchußweite hatten. Zweckmäßiger als dieses Kriegsschiff, wärenfreilich wohl ausgerüstete Kanonenboote gewesen, um den im Bin-nenfelde vorgehenden Feind in der Flanke zu beunruhigen undsein Vorschreiten längs des Strandes zu erschweren, besondersaber um die rechte Flanke der Maykuhle zu schützen; aber dieFestung besaß kein einziges derartiges Fahrzeug. Der MajorGneisenau, der kein Mittel zur Erhöhung der Vertheidigung un-versucht ließ, befahl 3 einigermaßen passende Boote im Hafen zuKanonenbooten, unter Leitung des Bürgers Nettelbeck, herzurich-ten und der Lieutenant Fabe fügte später ein viertes hinzu. Jedesderselben wurde mit einem 3 Pfänder bewaffnet, der auf einem