Recht oder Unrecht gehegten Zweifel am Führer-Talente Schitl'sbestätigt gefunden, und war daher jetzt um so weniger geneigt,dessen weit ausgreifenden Plänen und dessen Ansichten, waS fürund in der Festung geschehen müsse, Gehör zu geben; aber dieseVerschiedenheit der Ansichten hatte bei der Eigenthümlichkeit Schitl'skoch die unangenehmen Folgen, daß die Autorität des Konunan-kanten hier und da verletzt und auf den Geist der jüngeren Of-fiziere durch das üble Beispiel uachtheilig cingewirkt wurde-
Daß daö Verhältnis« des Obersten Lucadou zu seinem 2teuKommandanten, dem Hauptmann WaldenfelS, seit dem Gefechtevon Wollin kein günstiges war, ist bereits angedeutet worden.
Noch übler gestaltete sich das Verhältniß zur Bürgerschaft.Die schmähligeu Uebergaben der festesten Plätze des Staates lie-ßen zu der in Rede stehenden Zeit in jedem Festungs-Komman-danten einen Verräther befürchten; er mußte sich erst legitimiren,bevor man ihm Vertrauen schenkte. Der allgemeine Haß desBürgers jener Zeit gegen den Offizierstand, der nun nach derAuflösung der Armee so gedemüthigt dastand, und scheinbar nichtsgethan hatte, um das Unglück des Vaterlandes abzuwenden, trugin gleicher Weise dazu bei, die Autorität deS Kommandanten zuerschweren. Verdacht der Verrätherei und Haß mußten somit über-wunden werden. Aber die Bürgerschaft Kvlbergö, besonders wohlangeregt durch ihren Repräsentanten, den Brauer und Branntwein-brenner Netrelbeck, glaubte sich berechtigt, annehmen zu müssen, daßder Kommandant nicht seine Schuldigkeit gethan habe, um dieWiderstandsfähigkeit der Festung genügend zu erhöhen, und meh-rere unbedeutende Vorfälle, die eben nur das vorhandene Vor-urtheil zu dessen Ungunsten ausbeuten konnte, trugen dazu bei,den Verdacht zu bestärken, während die ganze Persönlichkeit desObersten Lucadou nicht geeignet war, den Haß gegen den altenpreußischen Offizier zu beseitigen, sich dem Bürger zu nähern oderihn für sich zu gewinnen, und ein unbefugtes Dreinreden in dieAngelegenheiten der Festung zu gestatten.
Auch in Bezug auf die Besatzung hatte der Kommandanteine schwierige Stellung. Die unzuverlässigen Leute der 3. Ba-